Rentenlücke, was ist das und was kann ich dagegen tun?

Die staatliche Rente wird immer weniger. Das wissen die Deutschen. Doch wie knapp es wird, machen sich die wenigsten klar. Die sogenannte „Rentenlücke“ ist kein Hirngespinst. FOCUS Online rechnet vor, wie viel im Alter fehlt.

Im Jahr 2019 zahlt die Deutsche Rentenversicherung eine Rentenerhöhung von 3,18 Prozent in den alten Bundesländern, im Osten sind es sogar 3,91 Prozent. Doch wer jetzt denkt, „ Super, damit ist mein Ruhestand gerettet “, liegt falsch.

Wie es in Zukunft weiter geht, hat die Bundesregierung längst klar gemacht Abwärts. Das Rentenniveau sinkt laut Prognose von ehemals 55 Prozent im Jahr 1990  bis auf 43 Prozent im Jahr 2030.

Das bedeutet, dass Rentner im Jahr 2030 noch 43 Prozent des dann gezahlten Durchschnittslohns zur Verfügung haben werden. Selbst wenn das Durchschnittsgehalt von heute 2665 Euro auf 3000 Euro steigen würde, müssten Rentner also mit etwa 1290 Euro auskommen.

Doch der Durchschnitt ist trügerisch, enthält er doch neben der klassischen Altersrente auch Altersteilzeit und Arbeitslosenrente, sowie die Bezüge langjährig Versicherter, die klassisch deutlich über den Altersrenten liegen.

Im Schnitt 906 Euro Altersrente

Die normale Altersrente liegt schon heute deutlich niedriger: Im Durchschnitt zahlte die Deutsche Rentenversicherung im Jahr 2018 monatlich 906 Euro Rente. Im einzelnen gab es folgende Monatsbeträge:

Diese Renten zahlte die Rentenversicherung 2018.

Deutsche Rentenversicherung/FOCUS Online

Wie viel ein Arbeitnehmer persönlich bekommt, lässt sich heute nur Pi mal Daumen vorhersagen. Entweder nutzt man einen Online-Rentenrechner oder bemüht selbst die Rentenformel:

Die Rentenformel

Rente = E x Z x R x A

E ist die Summe der Entgeltpunkte:
Jeder Rentenversicherte erhält pro Jahr eine bestimmte Punktzahl. Sie hängt davon ab, ob er mehr oder weniger als das Durchschnittsentgelt (2019: 38.901 Euro) verdient (und entsprechend in die Rentenkasse eingezahlt) hat. Der Durchschnittsverdiener erhält 1,0 Entgeltpunkte.

Dieser Wert erhöht oder reduziert sich: Wer beispielsweise zehn Prozent mehr als der Durchschnitt verdient, erhält 1,1. Maximal gibt es 2,1 Entgeltpunkte.

Die Entgeltpunkte werden für jedes Jahr der Berufstätigkeit und für alle weiteren rentenrechtlichen Zeiten ermittelt, addiert und ergeben so in der Formel den Wert E.

Z bezeichnet den Zugangsfaktor und beträgt normalerweise 1. Dieser Wert ändert sich nur dann, wenn die Rente früher oder später als üblich ausgezahlt werden soll: So verringert sich Z um jeden Monat, um den der Renteneintritt vorgezogen wird, um 0,003 Punkte.

R ist der Rentenart-Faktor und beträgt bei der Altersrente 1. Dieser Wert ändert sich nur für andere Rentenarten: Bei der Witwenrente beträgt er 0,55 und bei der teilweisen Erwerbsminderung 0,5.

A benennt den aktuellen Rentenwert, der jedes Jahr im Juli neu festgesetzt wird. Zurzeit beträgt A = 33,05 Euro (neue Bundesländer 31,89 Euro).

Im Vergleich zum aktuellen Durchschnittsentgelt in den alten Bundesländern von monatlich knapp 3232 Euro brutto, circa 2055 Euro netto, reißt der Ruhestand ein Loch von mehr als 1000 Euro in die Kasse. Diesen Betrag nennen Experten die „Rentenlücke“, die der Arbeitnehmer privat ausgleichen muss.

Die gute Nachricht

Viele Ausgaben fallen im Alter weg. Man hat vielleicht ein eigenes Haus und muss keine Miete mehr zahlen, außerdem muss man nicht mehr fürs Alter vorsorgen. Das Geld, das da ist, kann man auch ausgeben.

Trotzdem ist es nicht leicht, den richtigen Betrag zu treffen. „Die Rentenlücke ist wie das Bermudadreieck der Geldanlage. Jeder hat davon gehört, aber keiner weiß etwas Genaues“, sagte Torsten Hofmann, Portfoliomanager bei Taunus Investment dem „Handelsblatt“. Niemand weiß, wie sich Renten und Lebenshaltungskosten in Zukunft entwickeln werden.

Dazu kommen die Unabwägbarkeiten des eigenen Lebens: Scheidung, Krankheit, Kinder oder Karriereschub können die Rentenlücke aufreißen oder schrumpfen lassen. Doch Experten haben eine Reihe Tipps, wie man sich auf die Rente einstellen kann:

  • Den Lebensstandard analysieren; inklusive unregelmäßiger Ausgaben wie Urlaub oder neues Auto.
  • Die Renteninformation lesen. Sie zeigt, wie hoch die Rente nach aktuellen Berechnungen ausfallen könnte
  • Anhand der Ausgaben schätzen, wie viel man monatlich zur Seite legen kann.

Wer danach schon abschätzen kann, dass das Gesparte die Rentenlücke nicht deckt, hat mehrere Möglichkeiten: „Wenn ich absehe, dass ich das nicht schaffe, sollte ich überlegen, meinen Renteneintritt hinauszuschieben oder mich künftig einschränken“, rät Tom Friess, Chef des VZ Vermögenszentrums in München.

Wen beide Möglichkeiten nicht reizen, muss auf Anlagen mit höherer Rendite setzen. Vor allem Anlagen, die einen festen Zinssatz versprechen wie Tagesgeldkonten und klassische Lebensversicherungen. „Die werfen auf Dauer viel zu wenig Ertrag ab, um ein ausreichend hohes Vermögen anzusparen“, warnt Raimond Maurer, Professor für Investment, Portfoliomanagement und Alterssicherung an der Goethe-Universität Frankfurt. Alternativen sind zum Beispiel Sparpläne mit ETFs oder Aktien.

Quelle: focus.de

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Andrea Mannel
 

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