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Was taugt die neue Anlageklasse Private Equity?

Weltweit in Unternehmen investieren und langfristig überdurchschnittliche Renditen erzielen: Das ermöglicht Private Equity. Nach Rückschlägen hat sich die illiquide Anlageklasse zum Rückgrat des Beteiligungsmarktes entwickelt.

Von der Nischenanlage zur etablierten Investmentklasse: Private Equity boomt. Während das in derartige Fonds angelegte Kapital 1995 noch rund 200 Milliarden Dollar betrug, hat sich der Betrag inzwischen mehr als verzehnfacht. Demnach lag das Investitionsvolumen im Juni vergangenen Jahres weltweit bei etwa 2,83 Billionen Dollar.

Auch in Europa und in Deutschland ist die Anlageklasse seit einigen Jahren stetig auf dem Vormarsch. Laut dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften sind aktuell etwa 300 Beteiligungsgesellschaften in der Bundesrepublik tätig. Jährlich werden rund 1000 Unternehmen mittels Private Equity finanziert. Es geht also nicht nur um Renditen für Anleger. Für viele Familienunternehmen ist Private Equity zu einer wichtigen Finanzierungsquelle geworden. Das Investitionsvolumen betrug hierzulande zwischen 2013 und 2017 etwa 37 Milliarden Euro.

War Private Equity (PE) in der Vergangenheit eher etwas für institutionelle Anleger, so können inzwischen auch Privatanleger in diverse Fonds oder Dachfonds dieser Anlageklasse investieren, die jedoch nicht für kurzfristige Engagements taugt.

Es handelt sich um eine illiquide Anlageklasse: PE-Fonds investieren in verschiedene Unternehmen, helfen bei der Umstrukturierung und ziehen ihren Gewinn aus dem Verkauf der Beteiligung frühestens nach fünf bis zehn Jahren.

In der Regel funktioniert das so, dass Anleger Beteiligungszusagen geben, die von den Fonds erst dann abgerufen werden, wenn eine Unternehmensbeteiligung realisiert wird. Wenn Anleger ihre Zusage beispielsweise wegen Geldmangels revidieren, kommt oft ein Sekundärmarkt zum Zuge, der solche Beteiligungszusagen mit Abschlägen kauft und so den Finanzierungserfolg des PE-Fonds sicherstellt.

Private Equity in Deutschland zunehmend bekannter

Dass die Anlageklasse jedoch nicht immer so erfolgreich war, zeigt der historische Rückblick: Private Equity gilt zwar einerseits als eine der ältesten Finanzierungsformen überhaupt. Die dazugehörige Asset-Klasse hat sich jedoch erst in den 1980er-Jahren in den USA entwickelt. Auch in Asien gibt es inzwischen zahlreiche PE-Fonds.

Einige Tiefschläge musste die Branche sowohl nach dem Platzen der New-Economy-Blase im März 2000 einstecken als auch nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2008. Auch Private Equity unterliegt Schwankungen wie auf den Aktienmärkten, ist allerdings langfristig rentabler. Seit knapp fünf Jahren bewegt sich Private Equity allerdings wieder in einem länger anhaltenden Aufschwung.

Auch deutschen Familienunternehmern ist die Anlageklasse inzwischen ein Begriff, wie eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zeigt: Während 2011 nur etwa neun Prozent der Befragten Private Equity überhaupt definieren konnten, hat sich die Quote mittlerweile mehr als versiebenfacht.

Kein Wunder, bringt diese Anlageklasse den Investoren doch nach bisheriger Erfahrung eine Überperformance von durchschnittlich drei bis fünf Prozent pro Jahr ein.

Dass das Kapital bei der Anlageklasse so lange gebunden ist, wird von einigen potenziellen Investoren oftmals kritisiert. Umgekehrt wird jedoch genau diese Flexibilität vielen Anlegern, die etwa ein Aktiendepot besitzen, häufig zum Verhängnis. Durch wiederholte Umschichtungen schneiden sie am Ende meist schlechter ab als der Durchschnitt. Bei Private Equity können die Investoren hingegen gar nicht erst in diese Versuchung geraten und am Laufzeitende die volle Rendite ausschöpfen.

Markt von Konzentrationsprozess geprägt

Allgemein kann beim Private Equity zwischen zwei verschiedenen Investitionsarten unterschieden werden: den Mainstream-Investments in milliardenschwere Bluechip-Fonds und Investitionen in ausgewählte Fonds aus dem Fundus der über 5000 ungelisteten Fonds-Manager weltweit. Während der erste Weg zwar stabile, aber auch eher moderate Renditen bereithält, können die erfahrenen Fonds-Manager bei der zweiten Variante meist eine deutliche Überperformance erzielen.

Auch der weltweite Private-Equity-Markt teilt sich im Wesentlichen in zwei Lager. Während nur wenige der aufgelegten Fonds einen Großteil des weltweiten Private-Equity-Kapitals halten, splittern sich die übrigen Investitionen auf Hunderte weiterer Fonds. Demnach warben von den 2016 rund 1000 aufgelegten Private-Equity-Fonds allein die 20 größten über ein Drittel des gesamten globalen Kapitals ein. Dies geht aus einer aktuellen Erhebung der Beratungsgesellschaft Mackewicz und Partner hervor.

Um mit Private Equity Erfolg haben zu können, sollten potenzielle Investoren einige Grundregeln beachten. So ist es ratsam, konsequent in die besten Fonds zu investieren. Denn: Die Unterschiede zwischen den besten und den schlechtesten Private-Equity-Fonds sind deutlich größer als etwa bei Aktienfonds. Zudem sind Investitionen in Anlagen mit verschiedenen Auflagejahren sinnvoll, da auch private Beteiligungen konjunkturabhängig sind.

Dass Private Equity weiter an Zulauf gewinnen wird, ist gesetzt: Laut der PwC-Studie glauben drei Viertel der befragten Familienunternehmer, dass die Anlageklasse global weiter an Bedeutung gewinnen wird. In Bezug auf den deutschen Markt stimmen dieser Prognose zwei Drittel der Unternehmer zu.

 

Quelle: welt.de

Fünf Gründe, warum sich viele Anleger so absurd verhalten

Dass es den Homo Oeconomicus nicht gibt, wissen wir längst, aber auch der gesunde Menschenverstand ist bei der Kapitalanlage vieler Investoren bestenfalls Zaungast.

Jason Zweig zählt zu den bekanntesten Kolumnisten (“Intelligent Investor”) des Wall Street Journals.  Er berichtet seit den 1980er-Jahren über Finanzmärkte und Kapitalanlage und hat auch eine Vielzahl von Büchern zu dem Thema verfasst. Zweig, der ein Anhänger des Value-Investments ist – ein Anlagestil, den auch Warren Buffett pflegt – schrieb bereits 2007 ein Buch namens “Your Money and Your Brain: Become a Smarter, More Successful Investor – the Neuroscience Way” (in der Übersetzung heißt es: “Gier. Neuroökonomie: Wie wir ticken, wenn es ums Geld geht.”)

Dort versucht er darzulegen, warum bei der Geldanlage immer und immer wieder dieselben Fehler gemacht werden und zwar auch von ein und demselben Sparer. Warum gibt es bei diesem Thema keine Lernkurve? Wie die Neurowissenschaft herausgefunden hat, steckt das Problem ganz tief in unserem Gehirn.

Der Mensch ist kein “geborener Investor”. Ausgerechnet jene Verhaltensweisen, die unsere Spezies über viele Jahrtausende überleben ließen, machen uns zu programmierten Verlierern. Und zwar auch dann, wenn wir uns dessen bewusst sind. Wer in einer Massenpanik als erster lossprintete, hatte die größten Überlebenschancen – allerdings gilt das nur für Angriffe durch feindliche Gruppen. An der Börse verschleudert man so mitunter die besten Aktien und Fonds.

Prüfen Sie selbst, wie frei Sie von den immer wiederkehrenden klassischen Fehlern der Geldanlage tatsächlich sind. Und vielleicht hängen Sie sich diese Punkte über Ihren Schreibtisch und fragen sich VOR jeder Entscheidung, ob Sie nicht gerade wieder einem Verhaltensmuster aus der Steinzeit folgen.

Die immer wiederkehrenden klassischen Fehler der Geldanlage

1. Jeder weiß, dass man billig kaufen und teuer verkaufen soll – tatsächlich kaufen wir alle zu oft teuer, um anschließend zu Tiefstkursen auszusteigen.

2. Jeder weiß, dass es nahezu unmöglich ist, den Markt zu schlagen – trotzdem versuchen sehr viele Jahr für Jahr genau das.

3. Jeder weiß, dass Panikverkäufe eine schlechte Idee sind, wenn dann ein Unternehmen aber bekannt gibt, dass man statt 24 Cent nur 23 Cent pro Aktie verdient hat, kann das seinen Börsenwert binnen zwei Minuten um fünf Milliarden US-Dollar verringern.

4. Jeder weiß, dass Wall-Street-Strategen nicht vorhersagen können, wohin der Markt gehen wird – dennoch verfolgen Anleger gespannt jedes Wort, das diese Analysten im TV von sich geben.

5. Jeder weiß, dass die Jagd nach “heißen” Aktien oder Fonds ein sicherer Weg in Richtung Verlust ist – trotzdem verbrennen sich jedes Jahr Millionen Anleger an dieser Flamme. Viele davon, obwohl sie sich wiederholt geschworen haben, nie wieder in diese Falle zu laufen.

Quelle: Jason Zweig, “Your Money and Your Brain: Become a Smarter, More Successful Investor – the Neuroscience Way”