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Lebensversicherung wirft künftig noch weniger ab

Die Bundesregierung und die Finanzaufsicht wollen die deutschen Lebensversicherer angesichts der niedrigen Zinsen offenbar noch stärker an die Kandare nehmen als gedacht. Es zeichne sich ab, dass der Garantiezins für Lebensversicherungen von 2021 an nicht nur, wie von der Branche vorgeschlagen, auf 0,5 (bisher 0,9) Prozent gesenkt, sondern um noch mindestens einen Zehntel-Prozentpunkt niedriger festgesetzt werden solle, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Garantiezins – offiziell Höchstrechnungszins genannt – ist die maximale Verzinsung, die die Lebensversicherer ihren Kunden über die gesamte Laufzeit fest zusagen dürfen.

Die Finanzaufsicht BaFin wollte sich zu den Informationen nicht äußern, das Bundesfinanzministerium war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Ein Sprecher des Branchenverbands GDV sagte: “Wir gehen davon aus, dass der Garantiezins sinken wird.” Auf die künftige Höhe wollte er sich aber nicht festlegen.

Warnung vor einem “Schlussverkauf”

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), der Zusammenschluss der 5000 Versicherungsmathematiker, hatte im Dezember eine Senkung auf 0,5 Prozent vorgeschlagen. Traditionell orientiert sich das Ministerium an den Berechnungen der Aktuare. Doch schon bei der jüngsten Senkung auf 0,9 Prozent zum 1. Januar 2017 hatte es den Vorschlag der Aktuare (1,0 Prozent) unterboten. Die Entscheidung dürfte bald fallen. Die Branche dringt auf einen Vorlauf von etwa neun Monaten, um die Tarife neu berechnen zu können.

Die Versicherungsaufseher der BaFin warnen die Branche aber, die anstehende Senkung des Garantiezinses erneut zu einer Art “Schlussverkauf” für Policen mit dem bisherigen Satz zu nutzen. “Wir erwarten von den Unternehmen, dass sie genau überlegen, welchen Zins sie ansetzen können”, sagte ein Sprecher. “Die am Kapitalmarkt erzielbaren Renditen liegen aktuell deutlich unter dem Höchstrechnungszins. Es widerspräche gutem Risikomanagement, wenn man diesen unreflektiert zur Grundlage für Beiträge und Leistungen im Neugeschäft verwenden würde.”

Nur ein Drittel der Policen mit Garantiezins

Am Garantiezins selbst will die BaFin grundsätzlich nicht rütteln, wie der Sprecher betonte. “Letzten Endes ist das aber eine politische Entscheidung.” Dabei hat der Höchstrechnungszins zuletzt an Bedeutung verloren, weil immer mehr Lebensversicherer unter dem Druck der “Solvency II”-Regulierung und der niedrigen Zinsen im Neugeschäft nur noch Produkte ohne oder mit geringeren Garantien anbieten. Nach Schätzungen der Aktuare bietet nur noch ein Drittel der gut 80 Lebensversicherer in Deutschland Policen mit Garantiezins an. Beim Marktführer Allianz entfallen nur noch sieben Prozent der neu abgeschlossenen Volumens auf klassische Garantieprodukte. Branchenweit machen sie nach Daten des GDV aber immer noch fast ein Drittel des Neugeschäfts aus.

An den bestehenden Verträgen, für die die Lebensversicherer zum Teil noch Garantien über vier Prozent ausgesprochen hatten, ändert sich durch die geplante Neuregelung nichts.

Besondere Probleme schafft eine Senkung des Garantiezinses bei Riester-Rentenverträgen. Denn dabei müssen die Versicherer garantieren, dass ein Kunde am Ende der Laufzeit zumindest den eingezahlten Beitrag – einschließlich der staatlichen Zulagen – komplett herausbekommt, und gleichzeitig ihre Vertriebs- und Verwaltungskosten decken. Der Bund arbeitet deshalb an einer Reform der Riester-Rente.

Quelle: manager-magazin.de – msc/Reuters

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Verband schlägt Alarm wegen Solvenz der Lebensversicherer

Sind Deutschlands Versicherer tatsächlich so krisenfest wie behauptet? Diese Frage stellen sich Kunden und Berater gleichermaßen. Eine aktuelle Analyse des Bundes der Versicherten (BdV) kommt zu dem Schluss: Für rund ein Viertel der Anbieter sieht es finster aus.

Rund ein Viertel der deutschen Lebensversicherer steckt in großen Schwierigkeiten. Grund: Die betreffenden Anbieter haben entweder eine Solvenzquote von unter 100 Prozent, wenn man Übergangsmaßnahmen nicht berücksichtigt, oder sie haben negative Gewinnerwartungen beziehungsweise sogar zusätzlich eine Solvenzquote von weniger als 100 Prozent. Zur Erläuterung; Eine Solvenzquote kleiner als 100 Prozent heißt, dass die Gesellschaft die finanziellen Verpflichtungen aus bestehenden Verträgen mutmaßlich nicht erfüllen kann.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der aktuellen Solvenzberichte von 84 Lebensversicherer durch den Bund der Versicherten (BdV) und den Analysten Carsten Zielke (Zielke Research Consult). “Unterm Strich gibt es kein Unternehmen, bei dem in allen Prüfpunkten Entwarnung gegeben werden kann”, fasst BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein die Untersuchung zusammen.

Dagegen kommt Professor Hermann Weinmann von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein in seiner Analyse der Ertragskraft deutscher Lebensversicherer zu dem konträren Ergebnis, dass sich die betriebswirtschaftliche Lage der Gesellschaften zuletzt verbessert habe. Der Grund für die unterschiedlichen Resultate sind die verschiedenen Kriterien und Betrachtungswinkel der beiden Studien. Vor allem gelten die Solvzenzquoten nicht als gemeingültiger Maßstab für die Finanzstärke eines Versicherer (FONDS professionell ONLINE berichtete). Dennoch sollte man die BdV-Ergebnisse nicht als Panikmache abtun.

Erneut Kritik an Run-off-Plattformen

In der Pressemitteilung führen die Versichertenvertreter weiter aus, dass sich die Solvenzquoten stark darin unterscheiden, ob sogenannte Übergangsmaßnahmen angesetzt werden oder nur die reine Solvenz betrachtet wird. “Zwölf Unternehmen hätten ohne Übergangsmaßnahmen keine ausreichende Solvenz”, erklärt Zielke.

Auffällig sei, dass besonders solche Anbieter geringe Solvenzquoten aufweisen, die sich in Abwicklung befinden, also im Run-Off. “Offensichtlich sind die Managerinnen und Manager der Run-Off-Unternehmen in Sachen Solvenz sehr risikofreudig”, erklärt Kleinlein, der mit Kritik an diesen Plattformen ohnehin nicht hinterm Berg hält und kürzlich zusammen mit dem AfW Bundesverband Finanzdienstleistungen ein Eckpunktepapier zur Behandlung betroffener  Versicherter vorstellte.

Auch sei zu beobachten, dass branchenweit zwölf Unternehmen zukünftig keine Gewinne erwarten. “Wir sehen solche Unternehmen in ihrer Resilienz, den Schwierigkeiten der Märkte auf Dauer zu trotzen, gefährdet”, analysiert Kleinlein. Bei den Gewinnerwartungen drifte der Markt zunehmend auseinander. Bei einer Mehrheit der Unternehmen zeigt sich, dass sich  Verlust- oder überzogene Gewinnerwartungen verstärken. “Der Markt bewegt sich ungesund auseinander”, kritisiert Kleinlein. Insgesamt seien es 21 Gesellschaften, die laut den Analysten Probleme mit der “reinen” Solvenz und/oder den Gewinnen haben.

Moody’s auch skeptisch bezüglich Lebensversicherer

Aber nicht nur der BdV und Zielke hegen Zweifel an der Stabilität der Unternehmen. Die Ratingagentur Moody’s hat ihren Ausblick für die Branche auf negativ belassen, da die niedrigen Zinsen das Wachstum, die Erträge und die Kapitalisierung belasten. “Die Zinsen dürften länger als ursprünglich angenommen niedrig bleiben. Das beeinträchtigt sowohl das Wachstum als auch die Erträge und die Kapitalausstattung der Lebensversicherer”, so Christian Badorff, Senior Analyst bei Moody’s.

Der Lebensversicherungsmarkt teile sich zusehends in stärkere und finanziell schwächere Akteure auf. Angesichts des anspruchsvollen makroökonomischen und Wettbewerbsumfeldes geht Moody’s von einer anhaltenden Konsolidierung aus, vor allem im für Neukunden geschlossenen Lebensgeschäft – also genau in dem Bereich, in dem die vom BdV kritisierten Run-off-Plattformen unterwegs sind. (jb)

Quelle: fondsprofessionell.de

 

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„Es wird schwer, den Garantiezins zu halten“: R+V-Chef schließt Senkung nicht mehr aus

Das Thema Garantiezins ist in aller Munde. Der Vorstandschef der R+V-Versicherung kritisiert die geldpolitischen Pläne der Notenbanken. Die hätten gravierende Folgen für die Rendite von Lebensversicherungen.

Frankfurt Der nach Beitragseinnahmen zweitgrößte Lebensversicherer Deutschlands, die genossenschaftliche R+V Versicherung, schließt angesichts der lockeren Geldpolitik erstmals eine Senkung des Garantiezinses nicht mehr aus: „Es ist sicher richtig, dass es zunehmend schwierig wird, die Garantie von 0,9 Prozent noch zu halten“, sagt R+V-Vorstandschef Norbert Rollinger im Interview mit dem Handelsblatt.

Die Deutsche Aktuarvereinigung redet in den kommenden Monaten über eine mögliche weitere Senkung des Garantiezinses. Neukunden klassischer Lebensversicherungen droht damit ein weiterer Rückgang der garantierten Verzinsung.

Der Garantiezins bestimmt, welche Rendite Lebensversicherer ihren Kunden mindestens versprechen müssen

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsen wird es für die Unternehmen jedoch immer schwieriger, auskömmliche Renditen zu erwirtschaften. Die Folge: der Garantiezins wurde in der Vergangenheit schon mehrfach gesenkt.

Allerdings stellt der Garantiezins nur einen Teil der Rendite von klassischen Kapitallebensversicherungen dar. Hinzu kommt die Überschussbeteiligung. Halten Versicherte ihren Vertrag bis zum Ende der Laufzeit, gibt es unter Umständen weitere Bonuszahlungen: einen Schlussüberschuss sowie eine Beteiligung an den Bewertungsreserven. Beide sind aber keineswegs garantiert.

Lange Zeit galt der Garantiezins in der Lebensversicherung als verkaufsträchtiges Argument. Denn bis zum Jahr 2000 betrug dieser bis zu vier Prozent. Das ermöglichte Versicherten eine gut verzinste Altersvorsorge.

Doch aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase wurde der Höchstrechnungszins sukzessive gesenkt, zuletzt 2017 auf das Niveau von lediglich 0,9 Prozent. Das Bundesfinanzministerium überprüft den Garantiezins jährlich. Für bestehende Verträge ändert sich bei einer Senkung jedoch nichts.

Die Versicherer reagieren mit dem Vorstoß auf die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB). In den vergangenen Wochen hatte auch unter den Banken die Debatte darüber Fahrt aufgenommen, dass unter den Lasten der EZB-Niedrigzinspolitik womöglich auch Kleinsparer zurückstecken müssen.

Die EZB wird nach Einschätzung von Experten an diesem Donnerstag ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Lockerung der Geldpolitik beschließen.

Experten erwarten ein ganzes Bündel an Schritten zur Stützung der Konjunktur, darunter einen höheren Strafzins für Einlagen der Banken bei der Notenbank. Das heißt: Banken, die überschüssige Liquidität bei der EZB halten, zahlen künftig einen noch höheren Minuszins.

Für EZB-Chef Mario Draghi ist es bereits das vorletzte Zinstreffen. Ende Oktober läuft seine Zeit am Steuer der Euro-Notenbank nach acht Jahren ab.

Das komplette Interview lesen Sie hier:

Quelle: handelsblatt.com

 

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Diese Änderungen sollen Lebensversicherungen transparenter machen

Lebensversicherungen

Mit der Gesetzesänderung sollen ab Juli die Standmitteilungen der Lebensversicherungen umfangreicher, konkreter und detaillierter ausfallen.

Ein Überblick, welche Informationen wichtig sind.

Frankfurt Schluss mit unvollständigen und unklaren Informationen! Gesetzlich haben Lebensversicherungs-Kunden schon lange Anspruch darauf, regelmäßig über den Stand ihres Vertrags informiert zu werden – egal ob bei Kapitallebensversicherungen, privaten Rentenversicherungen, geförderten Riester-Verträgen oder anderen kapitalbildenden Produkten.

Doch die sogenannten Standmitteilungen waren in der Vergangenheit oft lückenhaft. Eine Gesetzesänderung soll jetzt für mehr Transparenz sorgen.

Ab sofort müssen Versicherer über die folgenden Punkte informieren: Todesfall-Leistung, garantierte Ablaufleistung, garantierte Ablaufleistung bei Beitragsfreistellung und aktueller Rückkaufswert des Vertrages. Für Neuabschlüsse sind zudem die eingezahlten Beiträge aufzuschlüsseln.

„Das ist ein wichtiger Schritt Richtung Transparenz und Vollständigkeit, aber noch keine Garantie für bessere Verständlichkeit“, meint Henning Kühl, Chefaktuar der Policen-Direkt-Gruppe, die sich auf den Ankauf von Lebensversicherungen spezialisiert haben.

Kühl warnt: Die Details der Darstellung sind auch künftig nicht näher geregelt. So muss der Versicherer keine Auskunft darüber geben, wie sich die Werte zusammensetzen. „Wenn nicht erkennbar ist, welche Werte garantiert sind und welche nicht, kann dies zu unrealistischen Ansprüchen führen“, weiß Kühl.

Zumindest besteht die Chance, dass Versicherer nun besser informieren und Kunden manche Fragen leichter einschätzen können: Lohnt es sich, den Vertrag zu kündigen – oder wäre es sinnvoller, einen finanziellen Engpass mit einem günstigen Kredit zu überbrücken? Sind die Angehörigen ausreichend abgesichert, wenn der Versicherte plötzlich verstirbt? Welche Summe steht garantiert zur Verfügung, wenn der Vertrag abläuft?

Bisher scheiterten viele Kunden nicht nur an mangelndem Fachwissen, sondern auch schlicht daran, dass es außer bei Riester-Verträgen keinen einheitlichen Standard gab – und jeder Kunde von der Informationsbereitschaft seines Versicherers abhängig war. „Eine Standmitteilung ist auch immer eine Visitenkarte des Unternehmens. Hier haben wir im Rahmen unserer Untersuchung 2016 große Unterschiede in Ausgestaltung und Vollständigkeit feststellen müssen“, berichtet Kerstin Hußmann-Funk, Referentin Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Analyse gab den Anstoß für die Änderung des Paragrafen 155 im Versicherungsvertragsgesetz.

Standmitteilungen werden in der Regel einmal im Jahr, zum Stichtag des Vertragsbeginns verschickt. Das heißt, alle Mitteilungen ab dem 1.7. müssen die neuen Regeln erfüllen. Einige Versicherer waren besonders schnell und haben bereits vorbildliche Mitteilungen verschickt, darunter der Axa-Konzern. Anhand einer echten Standmitteilung der Kölner erklärt das Handelsblatt mithilfe von Expertin Hußmann-Funk, was die Werte bedeuten.

1. Angaben zum Vertrag

Auch wenn das Gesetz dazu keine Anforderungen formuliert, steht auf jeder guten Standmitteilung der Name des Versicherungsnehmers, die Vertragsnummer der jeweiligen Police, der Tag des Vertragsabschlusses (hier: 1.12.1999) und der Tag, an dem die Standmitteilung erstellt wurde (hier: 1.1.2018). Wichtig: Viele Werte in der Standmitteilung ändern sich im Zeitablauf.

2. Leistung bei Todesfall

Im oberen Block der Standmitteilungen ist der „aktuelle Versicherungsschutz für die Hinterbliebenen“ aufgeführt. Jeder Vertrag enthält eine Regelung, wer im Todesfall des Versicherten die angesparte Summe plus Zinsen oder eine vorher vertraglich vereinbarte Summe ausgezahlt bekommt. Stirbt der Versicherungsnehmer, erhalten die Hinterbliebenen im Beispiel die garantierte „Versicherungssumme“ von 99 879 Euro.

Dazu kommt die „Schlusszahlung aus der Bewertungsreserve“. Dahinter verbirgt sich die Beteiligung des Kunden an den Gewinnen, die der Versicherer mit dem eingezahlten Geld des Kunden erwirtschaftet hat. Die Krux: Weil die Versicherer das Geld am Kapitalmarkt anlegen und dort die Kurse jeden Tag schwanken, schwankt auch der Wert dieser Bewertungsreserve. Die im Beispiel genannte Zahl von 574 Euro ist der Wert zum Stichtag 1.1.2018. Heute kann dieser Wert höher, niedriger oder theoretisch sogar bei null liegen.

Die als „aktueller Versicherungsschutz“ genannte Summe von 100 453 Euro ist also mit Vorsicht zu genießen. Der tatsächliche Wert nach dem 1.1.2018 kann niedriger oder höher sein.

3. Leistung bei Ablauf

Im zweiten Block stehen die „Leistungen bei Erleben der vereinbarten Ablaufphase zum 1.12.2035“. An diesem Tag endet die Vertragslaufzeit. Die aufgeführten Werte geben an, mit welcher Auszahlung der Versicherungsnehmer nach Abschluss der Einzahlungsphase rechnen kann – unter der Prämisse, dass er bis dahin weiter den aktuellen Beitragssatz in den Vertrag einzahlt.

Sicher ausgeschüttet wird die „garantierte Kapitalleistung“ von 99 879 Euro. Diese entspricht der „Versicherungssumme“ im ersten Block, wo es um die Leistung im Todesfall ging. Laut Verbraucherschützerin Hußmann-Funk sind diese beiden Werte häufig identisch. Außerdem sicher ausgezahlt wird die „garantierte Leistung aus (der) Überschussbeteiligung“ in Höhe von 1 146,25 Euro.

Dahinter verbergen sich anteilige Zinsen, die der Versicherer mit dem Geld des Versicherungsnehmers erwirtschaftet hat. Garantiert ist der Wert deshalb, weil dieser Anteil dem Versicherungsnehmer bereits unwiderruflich zugeordnet wurde. Sicher ausgezahlt werden dem Kunden – zahlt er bis Vertragsende weiter ein wie bisher – damit insgesamt 101 025,25 Euro.

Danach listet die Axa noch weitere „mögliche künftige Leistungen“ aus Überschussanteilen, Schlussüberschussanteilen sowie erneut eine mögliche künftige Schlusszahlung aus Bewertungsreserven auf. Diese Werte sind hypothetisch. Kunden sollten sie lieber ausblenden, denn sie werden sich im Zeitablauf noch ändern, wodurch die „unverbindliche Gesamtleistung“ von 103 081,18 Euro höher oder niedriger ausfallen kann.

4. Verkauf und Stilllegung

Im dritten Block gibt der Anbieter Auskunft darüber, was der Vertrag auf Basis der bisher eingezahlten Beiträge wert ist – wieder zum Stichtag 1.1.2018. Kündigt der Versicherungsnehmer, erhält er in jedem Fall die „Leistung bei Rückkauf“ von 28 562 Euro. Dazu kommt die „Überschussbeteiligung“ von 1 146,25 Euro. Weil dieser Wert identisch ist mit der „garantierten Leistung aus (der) Überschussbeteiligung“ in Block zwei, sieht Verbraucherschützerin Hußmann-Funk diesen Wert beim Rückkauf ebenfalls als sicher an.

Unsicher dagegen ist die „Schlusszahlung aus Bewertungsreserven“ in Höhe von 574 Euro, die identisch ist mit der im ersten Block. Wie oben erklärt, kann diese Bewertungsreserve täglich schwanken. Folglich ist die „Insgesamt“-Summe zum Rückkaufswert von 30 282,25 Euro nur eine Orientierungshilfe, wenn der Vertrag nach dem 1.1.2018 gekündigt wird.

Darunter steht die „beitragsfreie Versicherungssumme“. Hinter ihr verbirgt sich die Leistung für den Fall, dass der Kunde keine Beiträge mehr einzahlt und den Vertrag ruhen lässt. Die Summe von 50 650 Euro wird am Ende der Ablaufphase, am 1.12.2035, ausgezahlt – oder im Todesfall schon davor an die Hinterbliebenen des Kunden. Unklar ist an dieser Stelle, ob in dem Wert bereits ‧eine dem Versicherungsnehmer zustehende „garantierte Leistung aus (der) Überschussbeteiligung“ enthalten ist. Hier hilft nur nachfragen.

5. Aktueller Beitrag

Die Axa gibt zusätzlich den „jährlichen derzeitigen Beitrag“ an, den das Gesetz nicht vorschreibt.

Für alle ab dem 1.7.2018 geschlossenen Verträge müssen die Versicherer künftig zudem die Summe der bisher eingezahlten Beiträge angeben. Kunden mit älteren Verträgen können diese Summe bei ihrem Anbieter erfragen.

„Diese gesetzliche Änderung begrüßen wir sehr“, sagt Kerstin Becker-Eiselen, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Mit all diesen Angaben lasse sich ein Vertrag nun umfassend bewerten. Fehlen bei der Standmitteilung des Versicherers künftig wichtige Werte, können sich Kunden beschweren – bei den Marktwächtern, dem Versicherungsombudsmann oder der Finanzaufsicht Bafin.

Quelle: handelsblatt.com

“Raus aus den Policen”: Ex-Vorstand prognostiziert Crash

Ernstgemeinte Warnung oder reines PR-Manöver? Sven Enger, ehemaliger CEO von Standard Life Deutschland, warnt vor einem Kollaps der Lebensversicherung und kritisiert seine Ex-Kollegen. Auf eine Antwort musste der ehemalige Manager nicht lange warten.

Sven Enger war in der Branche unter anderem als CEO für Standard Life Deutschland aktiv.

Sven Enger war in der Branche unter anderem als CEO für Standard Life Deutschland aktiv. Foto: Standard Life

Die Botschaft, die sich aus dem letzten Alterssicherungsbericht der Bundesregierung herauslesen ließ, war eindeutig: Das Versorgungsniveau der künftigen Rentner werden „ohne zusätzliche Altersvorsorge in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen“, mahnte die Bundesregierung zur privaten Altersvorsorge.

Nun aber meldet sich ein ehemaliger Versicherungsmanager mit einem Buch zu Wort, das an der Versicherungsbranche, über die ein Großteil der Deutschen ihre private Altersvorsorge betreibt, kein gutes Haar lässt. Sven Enger heißt der Manager, seinerseits unter anderem Vertriebsdirektor bei der Delta Lloyd, Vorstand der Skandia Lebensversicherung und Deutschland-Chef von Standard Life. Enger hat ein Buch geschrieben („Alt, arm und abgezockt“), das an diesem Freitag erscheinen wird.

Hierin findet er deutliche Worte: Der Lebensversicherung drohe ein Crash und eine massenhafte Kapitalvernichtung, erzählt der Ex-Manager und jetzige Keynote-Speaker gegenüber der Hamburger Zeitschrift „Stern“. „Die Sparer landen hier auf der Müllkippe der Versicherungsindustrie“ kritisiert Enger den vollzogenen oder geplanten Verkauf von Lebensversicherungs-Beständen an externe Run-Off-Plattformen, den er als Anzeichen der von ihm prognostizierten Krise wertet.

Ein weiteres Indiz seien die sinkenden Überschussbeteiligungen. Hier seien gegenüber dem Kunden teils sieben bis acht Prozent in Aussicht gestellt worden, so Enger, und verweist auf die derzeitig weiter sinkenden Überschüsse der Lebensversicherer (hier ein Überblick über die Überschussbeteiligungen der 10 größten LV-Unternehmen).

Zudem vertritt der einstige Standard-Life-Chef die Auffassung, dass die einstigen hohen Garantiezinsen für einige Unternehmen bald nicht mehr zu stemmen sein werden. Auch die 2002 von den Versicherern gegründete Auffanggesellschaft Protektor sei dann überfordert, wenn ein größerer Versicherer in die Knie gehe, so Enger. Bei Protektor klang das zuletzt allerdings anders: „An Geld würde es nicht mangeln“, hatte dessen Chef Jörg Westphal 2016 gegenüber dem Handelsblatt erklärt, auch die Schieflage eines größeren Versicherers auffangen zu können.

Auch an seinen ehemaligen Kollegen lässt Enger kein gutes Haar: Diesen warf er im „Stern“ vor, „neugeschäftsgeil“ zu sein und dieses mit „extremen Belohnungen“ an den Vertrieb befeuert zu haben. Geld, das aus den Beiträgen der Kunden gezahlt worden ist. Intern habe man sich dann damit gebrüstet, „dass man den kompletten Champagner-Vorrat eines Kreuzfahrtschiffes ausgetrunken zu haben“.

Eine prompte Replik kam gleich vom Branchenverband GDV. Dieser warf Enger vor, bewusst „vollkommen unbegründete Ängste“ schüren zu wollen, bloß um sein Buch an den Mann bringen zu wollen. Von einem Crash der Lebensversicherungen könne keine Rede sein. „Die deutschen Lebensversicherer können nicht nur heute, sondern auch in Zukunft alle Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden erfüllen. Und das selbst in Extremszenarien, die statistisch nur einmal in 200 Jahren auftreten“, ließ Dr. Peter Schwark, Mitglied der GDV-Geschäftsführung, verlauten und verwies auf die sogenannte Solvenzkapitalquote der Branche von 344 Prozent.

Der Aufforderung Engers „Raus aus den Policen“ entgegnete Schwark: „Damit offenbart Herr Enger, dass er seine kommerziellen Interessen über die Interessen der Kunden stellt. Lebensversicherungen sind nicht nur sicher, sondern bieten gerade im aktuellen Zinsumfeld eine attraktive Verzinsung. Mit einer Kündigung verzichten Kunden zudem nicht nur auf Rendite, sondern auch auf den Risikoschutz einer Lebensversicherung im Todesfall oder auch bei Berufsunfähigkeit des Versicherten.“

Hinweis: procontra sprach mit Sven Enger im Jahr 2013 über die Zukunft der Lebensversicherungsbranche. Was der damalige CEO von Standard Life Deutschland damals zu sagen hatte, lesen Sie hier.

Quelle: procontra-online.de