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Niedriger Leitzins – Lohnt sich Sparen eigentlich noch?

Die Zinsen auf Sparguthaben sind seit Jahren im Keller, dennoch legen deutsche Privathaushalte Billionen auf die hohe Kante – und verlieren zugleich Milliarden. Warum ist das so und wann lohnt sich Sparen heute überhaupt noch?

Das Geldvermögen deutscher Privathaushalte stieg im dritten Quartal 2018 erstmals über die Marke von sechs Billionen Euro. Das ist Rekord. Allerdings verlieren die Sparer auch sehr viel Geld aufgrund niedriger Verzinsung – einer Berechnung der DZ Bank zufolge zwischen 2010 und 2018 um die 300 Milliarden Euro.

Insbesondere Anleger, die ihr Erspartes auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten deponiert haben, sind die großen Verlierer. Im letzten Jahr lagen die Zinsen für Bargeld, Bankeinlagen, Rentenpapiere und Ansprüche an Versicherungen laut DZ Bank im Schnitt bei 0,8 Prozent.

Verantwortlich für die mickrigen Zinsen ist vor allem der Leitzins, den die Europäische Zentralbank (EZB) im Zuge der Finanzkrise über die Jahre immer wieder senkte. Seit März 2016 liegt er bei null Prozent.

Der Leitzins dient der EZB als geldpolitisches Steuerungsinstrument. Durch ihn können Preise möglichst stabil gehalten werden, für die Finanzinstitute dient er als Orientierungshilfe bei der Festlegung ihrer Zinsen.

Ist der Leitzins niedrig, sinken nicht nur die Zinsen für Sparbuch und Co., auch die Zinsen für Kredite fallen. Durch günstigere Kredite wiederum kommt mehr Geld in Umlauf. Das wirkt sich gleichzeitig auf das Kaufverhalten aus, was wiederum die Wirtschaft ankurbelt.

Wann kommt die Zinswende?

“Dass das Zinsniveau nach unten geht, war vor dem Hintergrund der hohen Staatsverschuldungen willkommen. Durch niedrige Zinsen können sich die Staaten am Kapitalmarkt günstig Geld beschaffen”, erklärt der Autor der DZ-Bank-Analyse, Michael Stappel, im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Auseinanderbrechen der Währungsunion sei so verhindert worden.

“Während der Krise waren diese Maßnahmen notwendig. Nur, je länger das Ganze dauert, desto problematischer wird es. Irgendwann muss die EZB die Zinsen wieder vorsichtig auf Normalniveau bewegen”, mahnt Stappel.

Bald aber könnte eine Zinswende eingeläutet werden. “Die EZB will frühestens im Herbst oder gegen Ende des Jahres damit beginnen, den Leitzins allmählich zu erhöhen”, präzisiert Stappel. Das bedeute allerdings nicht, dass auch der Zinssatz für den Sparer umgehend spürbar steigt. “Bis die Märkte entsprechend reagieren und sich das dann bei den Sparern niederschlägt, wird es dauern.” Erschwerend kommt hinzu, dass die niedrigen Zinsgewinne noch nicht einmal die Inflation ausgleichen. Einem durchschnittlichen Zinssatz von 0,8 Prozent stehen 1,9 Prozent Inflationsrate entgegen. Das ergibt eine Differenz von 1,1 Prozent. “Das heißt, der Wert des Geldvermögens verringert sich um diesen Betrag”, erklärt Stappel. Oft ist deshalb von einer “Enteignung” der Sparer die Rede.

Lohnt sich Sparen trotzdem?

Viele Anleger geben daher der EZB die Schuld. Das hält Stappel für falsch: “Man kann nicht der EZB allein die Einbußen anlasten.” Das Zinsniveau hänge vor allem von Angebot und Nachfrage ab. “Das Zinsniveau war vor der lockeren Geldpolitik der EZB zwar nicht so extrem niedrig wie zuletzt, aber im langfristigen Vergleich dennoch niedrig. Das spricht dafür, dass es nicht nur an der EZB liegt. Aber sie trägt natürlich eine hohe Verantwortung”, erklärt Stappel.

Trotz der Zinsflaute lohnt sich Sparen noch immer, meint Stappel. “An den Sparmotiven hat sich ja nichts geändert – allein schon aus Sicht der Altersvorsorge. Und eigentlich müsste noch mehr gespart werden, um die Verringerung des Geldwertes auszugleichen.”

Das zeigen auch aktuelle Daten. Im Vergleich zu 2017 hat sich der Vermögensaufbau nach Angaben der DZ Bank zwar verlangsamt, allerdings sind die Privathaushalte so vermögend wie nie zuvor. Erstmals stieg das Geldvermögen laut Bundesbank über die Marke von sechs Billionen Euro. Gegenüber dem zweiten Quartal 2018 erhöhte sich die Summe um 76 Milliarden auf den Rekordwert von 6.053 Milliarden Euro. Getragen werde der Zuwachs vom Sparfleiß der Bürger, so die DZ Bank.

Auch 2018 setzten die Deutschen vor allem auf Bargeld und Bankeinlagen, auf die sie schnell zugreifen können. Beliebt sind vor allem Giro-, Tagesgeldkonten oder Festgeldkonten. Der Vorteil aus Sicht der Verbraucher: Bei Bedarf können die Bestände rasch umgeschichtet werden.

Ende September 2018 steckten 2.405 Milliarden Euro in Bankeinlagen oder wurden als Bargeld aufbewahrt, 31,5 Milliarden kamen im dritten Quartal hinzu. Fast ebenso hoch in der Beliebtheitsskala stehen Lebensversicherungen und andere Vorsorgemodelle. Hier erhöhten sich die Bestände zum Vorquartal um rund 17 Milliarden auf 2.257 Milliarden Euro.

Rendite nur durch Risiko

Tagesgeldkonten etwa sind eine sichere Anlage. Langfristig sollte sich das Geld allerdings mehren, sprich Rendite bringen. Das allerdings geht nur mit einem gewissen Risiko. Zu einem ausgewogenen Portfolio, das Risiken streut und Anlagechancen nutzt, gehören nach Auffassung des Volkswirtes demnach auch Aktien, Aktienfonds und Zertifikate.

“Die Deutschen investieren weniger in Aktien. Das war im letzten Jahr zwar gut, weil die Aktienkurse stark zurückgegangen sind, die Geldanlage ist allerdings auch sehr einseitig. Eine ausgewogenere Anlagestruktur wäre besser”, sagt Stappel.

Das Risiko, Geld zu verlieren, ist im Vergleich zum Tages- oder Festgeldkonto zwar größer, allerdings kann der Gewinn wesentlich höher ausfallen.

“Durch die Vielfalt kann man je nach Marktlage von hohen Zinsen oder steigenden Aktienkursen profitieren. Oft wechselt sich das ja ab.” Dadurch sei ein stabilerer Vermögensaufbau möglich.

“Bei langfristigem Anlagehorizont können Aktien ein sinnvoller Geldvermögensbestandteil sein, der eine gute Rendite verspricht. Aktuell bietet das niedrige Kursniveau Chancen, sich stärker in Aktien zu engagieren”, erklärt Stappel weiter.

Aufs Pantoffel-Portfolio setzen

Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Bremen, rät Anfängern zu Indexfonds, sogenannte ETFs. Diese werden passiv verwaltet und bilden einen Aktienindex nach, zum Beispiel den Dax. Der Vorteil ist, dass sie breiter gestreut und damit weniger risikobehaftet sind als Aktien einzelner Unternehmen.

Das vergleichsweise geringste Risiko haben weltweite Fonds, erklärt Thomas Krüger von der Zeitschrift “Finanztest”. Etwa Fonds, die den MSCI World Index abbilden: “Da ist man in rund 1.600 Titel weltweit investiert und hat das Risiko damit relativ gut im Griff.”

Krüger rät wie Stappel zu einer Mischung aus Risiko und Sicherheit. Eine einfache Variante ist die Kombination von Tagesgeldkonto und Aktien-ETF – ein sogenanntes Pantoffel-Portfolio, “weil es so einfach ist wie Pantoffeln anziehen”, sagt Krüger. Wer beispielsweise 100 Euro im Monat zurücklegen kann, überweist monatlich 50 Euro auf das Tagesgeldkonto und 50 Euro auf sein Depot, wo ein Aktien-ETF liegt.

Ein Depot lässt sich beispielsweise relativ unkompliziert bei einer Online-Direktbank einrichten. Jeder Indexfonds besitzt eine eigene Nummer. Die sucht man im Depot und wählt damit den entsprechenden ETF aus.

Wie viel Risiko und wie viel Sicherheit angebracht sind, hängt vom Typ ab. Für die meisten jungen Menschen sei eine ausgewogene Mischung von 50:50 die beste Variante, sagt Krüger. Wer auf Sicherheit bedacht ist, lässt dagegen nur ein Viertel seines Ersparten im Depot. Risikofreudige Menschen haben auf dem Tagesgeldkonto dagegen nur einen Notgroschen liegen und investieren den Rest. Das “Pantoffel-Portfolio” ist recht einfach zu pflegen. Die Regel lautet: Einmal im Jahr nachschauen, ob das gewünschte Verhältnis zwischen beiden Anlageformen noch passt.

Bevor es allerdings mit dem Sparen losgeht, sollten andere finanzielle Baustellen geschlossen sein, rät Oelmann. Folgende Punkte sind aus ihrer Sicht zu beachten:

  • Existiert ein Notgroschen für unerwartete, plötzliche Ausgaben, die man von seinem monatlichen Einnahmen nicht so einfach zahlen könnte – etwa eine Autoreparatur?
  • Sind alle wichtigen Versicherungen abgeschlossen?
  • Sind offene Kredite getilgt?

 

Quelle: web.de

Renditeerwartung und Altersvorsorge

Was ist eigentlich „Altersvorsorge“?

Unter dem Begriff der Altersvorsorge wird häufig verstanden, dass während des aktiven Erwerbslebens zielgerichtet Geld für den eigenen Ruhestand gespart wird. Das über die Jahre gewachsene Kapital soll nach dem Ende des aktiven Erwerbslebens die Lücke zwischen den regelmäßigen Renteneinkünften und dem für den gewünschten Lebensstandard notwendigen Betrag decken. Für die weiteren Überlegungen soll es an dieser Stelle keine Rolle spielen, wie das Kapital später finanziell eingesetzt wird. Möglich wären die Übertragung des Langlebigkeitsrisikos auf einen Rentenversicherer, ein selbstgestrickter Entnahmeplan auf Vermögenswerten, wie Wertpapieren und Immobilien, oder eine Kombination dieser Komponenten.

Ein einfaches Beispiel

Für unseren vereinfachten Praxisfall gehen wir von einem theoretischen Umfeld ohne Zins, Inflation und Steuern aus. Wir stellen uns einen Mensch vor, der heute über ein monatliches Einkommen in Höhe von 2.000 Euro verfügt. Im Ruhestand klafft eine Lücke von monatlich 500 Euro zwischen seinen persönlichen Vorstellungen und der aktuell aus erwarteten Rentenleistungen finanziellen Zukunft. Wir unterstellen ferner, dass diese monatliche Lücke über eine Lebenserwartung von 20 Jahren zu füllen ist. Es ergibt sich also ein notwendiger Kapitalbetrag von 120.000 Euro (500 Euro mal 12 Monate mal 20 Jahre). Dieser soll bei Rentenbeginn in 30 Jahren zur Verfügung stehen. Unser Sparer muss also monatlich 333 Euro (120.000 Euro geteilt durch 360 Monate) für sein Altersvorsorgeziel beiseite packen. Das sind knapp 17 Prozent seines laufenden Einkommens.

Wie kommt man zu einer Renditeerwartung?

Das folgende Schema zeigt, wie die erwartete Rendite auf verschiedenen Ebenen ermittelt werden kann. Unterstellen wir, dass uns eine Vermögensklasse mit einer erwarteten Rendite von 4 Prozent und eine weitere mit einer von 2 Prozent zur Verfügung stehen. Diese beiden Vermögensklassen sind zu jeweils 50 Prozent in einer Finanzanlage gemischt. Der erwartete Ertrag vor Kosten beträgt also 3 Prozent. Unterstellen wir Kosten von 1 Prozent, so ergibt sich eine Rendite nach Kosten von 2 Prozent. Um unserer Vereinfachung treu zu bleiben unterstellen wir, dass diese voll mit dem Steuersatz von 25 Prozent besteuert werden. Die Rendite nach Steuern beträgt dann 1,5 Prozent (25 Prozent von 2 Prozent sind 0,5 Prozent. 2 Prozent Rendite – 0,5 Prozent Steuer). Bei der Inflation nehmen wir einen gleichgewichteten Durchschnitt aus der aktuellen Inflation (nach offizieller Lesart) von Null und dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) in Höhe von 2 Prozent. Dementsprechend ergibt sich eine Inflation von 1 Prozent. Ziehen wird dies von unserer verbliebenen Rendite ab, dann ergibt sich eine persönliche Nettorendite von 0,5 Prozent.

Wie hoch sind die Renditen bei festverzinslichen Papieren heute?

Produkte müssen zu den Zielen passen

Es gibt eine Kurzbroschüre der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit dem Titel „Anlageberatung – Was Sie als Kunden beachten sollten“. Hier ist unter anderem dieser Passus zu finden:

Quelle: www.bafin.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschuere/dl_b_anlageberatung.pdf

Was bedeutet das für das Anlageziel Altersvorsorge in unserem Musterfall? Unsere beispielhaft hergeleitete Rendite von 0,5 Prozent liegt schließlich nur unwesentlich über dem Nullzins bei null Prozent Inflationsannahme in unserem trivialen Einstiegsfall.

Fazit, Erkenntnis und viele offene Fragen

Eine sehr niedrige positive reale Rendite (also nach Steuern, Kosten und Inflation) mag für eine Rücklage ausreichend sein. Vielleicht sind hier auch sogar negative Renditen als Preis der sicheren Verfügbarkeit zu tragen.  Für eine Altersvorsorge sind jedoch höhere positive Renditen notwendig, da die Sparkapazitäten (egal aus welchem Grund) begrenzt sind und gleichzeitig eine echte Kaufkraftsteigerung erreicht werden muss. Kaum jemand wird soviel sparen können bzw. wollen, um ohne Rendite auf das notwendigen Rentenkapital zu kommen.

Diesen Zusammenhang werden auch detallierte Ruhestandsplanungen, Monte-Carlo Simulationen und die detaillierte Aufteilung steuerlicher Erträge nichts ändern können. Natürlich sind auch die Vorschriften der Anlageberatung leider nicht explizit für die Erstellung einer Ruhestandsplanung oder die Dokumentation zu Auswahl und Vertrieb eines Versicherungsproduktes relevant. Doch auch das ändert nichts an den wirtschaftlichen Zusammenhängen.

Vereinfacht gesprochen kann man wohl sagen, dass die kapitalgedeckte Altersvorsorge (vor allem in Deutschland) eine zinsbasierte Altersvorsorge ist. Da es kaum noch Zinsen in den klassischen Anleihesegmenten gibt und sich auch das „Zinshaus“ vermietete Immobilie dem allgemeinen Umfeld angepasst hat liegt eine Beschäftigung mit den Herausforderungen auf der Hand.

Wie ist also damit umzugehen, dass das Ziel der Altersvorsorge mit höheren erwarteten realen Renditen verknüpft ist, als es viele Finanzprodukte aufgrund ihrer Zusammensetzung der enthaltenen Vermögensklassen mathematisch überhaupt erwarten lassen?

Überblick schaffen

Zunächst einmal gilt es einen Überblick über das aktuelle Vermögen zu schaffen. Die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten sind in einer Vermögensbilanz darzustellen.

Danach die die vorhandenen gesetzlichen, betrieblichen und privaten Renten zu erfassen und mit dem heutigen Stand der Steuergesetzgebung abzubilden. In Kombination mit einer Fortschreibung der vorhandenen Vermögenswerte kann dann ein erster Status ermittelt werden.

Auf dieser Basis kann dann eine sinnvolle Strategie entwickelt werden. Selbstverständlich ist es nur eine Planung, die in regelmäßigen Abständen an die eigene Lebensplanung und die exogenen Faktoren (Zinsen, Inflation, Kapitalmarktpreise) anzupassen ist. Andererseits ist es der einzige Weg, um die Wechselwirkungen von Anlagestrategie, Altersvorsorge und Steuern sachlich darstellen und beantworten zu können.

Quelle: ypos-fp.de

 

Gerne stehen wir Ihnen auch in einem Gespräch zur Verfügung

Ihr Ansprechpartner: Gerd Mannel

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