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Zehntausende müssen um Betriebsrenten zittern

  • Zwei Pensionskassen stehen kurz davor, die Betriebsrenten ihrer Versichten abzusenken.
  • Aufgrund der niedrigen Zinsen können sie die Beiträge nicht mehr so anlegen wie früher – und die Zahlungen nicht mehr in gleicher Höhe garantieren.
  • Helfen könnten zwar die Arbeitgeber – zur Rettung der Kassen verpflichtet sind sie allerdings nicht.

Zehntausende von Versicherten bei Pensionskassen müssen um die Höhe ihrer Betriebsrenten bangen. Nach SZ-Informationen stehen mindestens zwei Pensionskassen kurz davor, Zahlungen an die aktuellen Betriebsrentner und die Zusagen an die künftigen Empfänger spürbar abzusenken. Eine ganze Anzahl weiterer Pensionskassen muss ebenfalls kämpfen und denkt über Absenkungen nach.

Hauptursache für die Probleme sind die niedrigen Zinsen. Bereits vor zwei Jahren hat Frank Grund, Exekutivdirektor bei der Finanzaufsicht Bafin, zum ersten Mal vor Problemen der Pensionskassen gewarnt. Seither hat sich nichts verbessert, im Gegenteil. “Die Lage ist heute noch ernster als vor zwei Jahren”, sagte Grund, der für die Versicherungsaufsicht zuständig ist. “Ohne zusätzliches Kapital von außen werden einige Pensionskassen nicht mehr ihre vollen Leistungen erbringen können.”

Pensionskassen funktionieren ähnlich wie Lebensversicherer. Doch ist die Lage der Pensionskassen ernster als die der Lebensversicherer, sagte Grund. Sie zahlen ausschließlich lebenslange Renten aus und leiden deshalb sowohl unter den niedrigen Zinsen als auch unter der durchschnittlich längeren Lebenszeit. In Deutschland gibt es 137 Pensionskassen, die aktuell 165 Milliarden Euro Kapital für heutige und künftige Betriebsrenten verwalten. Mit einem Drittel von ihnen steht die Bafin in ständigen intensiven Diskussionen, sagte Grund. Bei einer nicht genannten Zahl von Pensionskassen, die zusammen 10 Prozent der 165 Milliarden Euro verwalten, sei die Lage sehr ernst.

Die Bafin spricht mit den Pensionskassen und mit den Arbeitgebern, um sie zur finanziellen Stärkung der Kassen zu bewegen. “Wir drängen die Pensionskassen, bei ihren Trägern oder Aktionären rechtzeitig Unterstützung einzufordern.” Viele Arbeitgeber tun offenbar auch etwas, es sei auch schon Geld geflossen. “Zwingen können wir sie aber nicht”, sagte Grund. Denn sie sind nicht zur Rettung der Pensionskassen verpflichtet. Probleme haben vor allem Pensionskassen, bei denen viele verschiedene Arbeitgeber Mitglied sind. “Es gibt Kassen mit 70 Arbeitgebern”, sagte Grund. Dazu kommen Kassen, bei denen der Arbeitgeber nicht mehr existiert.

Viele Firmen suchen Wege, um ihre Kassen loszuwerden

Der letzte Ausweg sei die Leistungskürzung, sagte Grund. Dann müssten die Arbeitgeber eigentlich für die Differenz zwischen Zusagen und Zahlungen einstehen. “Der Arbeitgeber muss dann dafür sorgen, dass die Versorgungsberechtigten die volle zugesagte Leistung erhalten”, erläuterte Grund. Das funktioniere aber nur, wenn der noch existiert und liquide ist.

Immer mehr Arbeitgeber suchen Wege, um ihre Pensionskassen loszuwerden. In zwei Fällen – die nicht mit den beiden Kassen identisch sind, die ihre Zahlungen reduzieren wollen – haben die Eigner ihre Pensionskassen bereits an den Abwicklungsspezialisten Frankfurter Leben verkauft, der vom chinesischen Investor Fosun kontrolliert wird. Das sind die offene Pensionskasse Pro BAV der Axa und die Prudentia, die Betriebsrenten von C&A-Mitarbeitern verwaltet.

Quelle: sueddeutsche.de

Vermögensprofi: Machen Rentenversicherungen noch Sinn?

Angesichts von Niedrigzinsen und einer alternden Gesellschaft ist der Abschluss eines Lebensversicherungs-Vertrags heutzutage nicht immer sinnvoll, warnt Markus Richert, Vermögensberater der Portfolio Concept Vermögensmanagement. Sparer sollten Alternativen prüfen.

Lebens- oder Rentenversicherungen sind in der heutigen Zeit nicht mehr das Gelbe vom Ei, sagt Markus Richert, Vermögensberater bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement in Köln. “Auch wenn die lebenslange Rente der eigenen Versicherung bequem und verlockend erscheint, sollten Sparer sich die Mühe machen, das Angebot zumindest mit anderen Sofortrenten oder alternativen Konzepten zu vergleichen”, empfiehlt Richert.

Schließlich stelle sich in der aktuellen Niedrigzinsphase die Frage, ob der Versicherer auch in Zukunft in der Lage sein werde, die guten Renditen der vergangenen Jahrzehnte zu erzielen. Aktuell liegt der gesetzliche Garantiezins bei nur noch 0,9 Prozent.

Vor einer ganz besonderen Herausforderung stehen deshalb Kunden, deren Lebens- oder Rentenversicherung in den nächsten Monaten fällig wird. “Wer in den ‘guten Jahren’ mit einem solchen Sparvertrag begonnen hat, kann sich auch nach den nicht unerheblichen Kosten über jährlich erzielte Renditen von mehr als vier Prozent pro Jahr bei auslaufenden Altverträgen freuen”, rechnet Richert vor.

Achtung, Demografie!

Nun stelle sich vielen die Frage: “Wohin mit meinem Geld?“. Soll man dem Versicherer treu bleiben und sich das Kapital durch eine lebenslange Rente auszahlen lassen? “Auf den ersten Blick erscheinen die versprochenen lebenslangen Renten oft nicht unattraktiv. Auf der anderen Seite ist die Verfügbarkeit über das Kapital oft eingeschränkt und bei einem frühen Ableben landet das Geld auch häufig im Versicherungskollektiv und nicht bei den Hinterbliebenen”, gibt Richert zu bedenken.

Dazu droht den Lebensversicherungen von anderer Seite ein massiver Beitragsschwund: Aufgrund der demografischen Entwicklung könnten nach aktuellen Berechnungen der Wirtschaftsprüfer von KPMG bis zum Jahr 2030 fast sechs Milliarden Euro an Prämienvolumen wegbrechen. Die Hauptzielgruppe für die private Altersvorsorge schrumpft also rapide. “Um das jetzige Beitragsniveau zu halten, müsste das Neugeschäft mehr als verdoppelt werden”, sagt Richert.

Inflationsgeschützte Anlagen wählen

Anleger sollten ihre bestehenden Versicherungsverträge überprüfen und optimieren, rät der Vermögensberater. Nicht jede Absicherung, die in jungen Jahren notwendig und wichtig war, sei Jahrzehnte später noch sinnvoll. Zudem sollten Sparer sich gerade jetzt auch nach einer guten Anlagealternative umsehen: Inflationsgeschützte Anlagen etwa seien im aktuellen Umfeld durchaus eine gute Wahl. (fp)

Quelle: fondsprofessionell.de

“Raus aus den Policen”: Ex-Vorstand prognostiziert Crash

Ernstgemeinte Warnung oder reines PR-Manöver? Sven Enger, ehemaliger CEO von Standard Life Deutschland, warnt vor einem Kollaps der Lebensversicherung und kritisiert seine Ex-Kollegen. Auf eine Antwort musste der ehemalige Manager nicht lange warten.

Sven Enger war in der Branche unter anderem als CEO für Standard Life Deutschland aktiv.

Sven Enger war in der Branche unter anderem als CEO für Standard Life Deutschland aktiv. Foto: Standard Life

Die Botschaft, die sich aus dem letzten Alterssicherungsbericht der Bundesregierung herauslesen ließ, war eindeutig: Das Versorgungsniveau der künftigen Rentner werden „ohne zusätzliche Altersvorsorge in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen“, mahnte die Bundesregierung zur privaten Altersvorsorge.

Nun aber meldet sich ein ehemaliger Versicherungsmanager mit einem Buch zu Wort, das an der Versicherungsbranche, über die ein Großteil der Deutschen ihre private Altersvorsorge betreibt, kein gutes Haar lässt. Sven Enger heißt der Manager, seinerseits unter anderem Vertriebsdirektor bei der Delta Lloyd, Vorstand der Skandia Lebensversicherung und Deutschland-Chef von Standard Life. Enger hat ein Buch geschrieben („Alt, arm und abgezockt“), das an diesem Freitag erscheinen wird.

Hierin findet er deutliche Worte: Der Lebensversicherung drohe ein Crash und eine massenhafte Kapitalvernichtung, erzählt der Ex-Manager und jetzige Keynote-Speaker gegenüber der Hamburger Zeitschrift „Stern“. „Die Sparer landen hier auf der Müllkippe der Versicherungsindustrie“ kritisiert Enger den vollzogenen oder geplanten Verkauf von Lebensversicherungs-Beständen an externe Run-Off-Plattformen, den er als Anzeichen der von ihm prognostizierten Krise wertet.

Ein weiteres Indiz seien die sinkenden Überschussbeteiligungen. Hier seien gegenüber dem Kunden teils sieben bis acht Prozent in Aussicht gestellt worden, so Enger, und verweist auf die derzeitig weiter sinkenden Überschüsse der Lebensversicherer (hier ein Überblick über die Überschussbeteiligungen der 10 größten LV-Unternehmen).

Zudem vertritt der einstige Standard-Life-Chef die Auffassung, dass die einstigen hohen Garantiezinsen für einige Unternehmen bald nicht mehr zu stemmen sein werden. Auch die 2002 von den Versicherern gegründete Auffanggesellschaft Protektor sei dann überfordert, wenn ein größerer Versicherer in die Knie gehe, so Enger. Bei Protektor klang das zuletzt allerdings anders: „An Geld würde es nicht mangeln“, hatte dessen Chef Jörg Westphal 2016 gegenüber dem Handelsblatt erklärt, auch die Schieflage eines größeren Versicherers auffangen zu können.

Auch an seinen ehemaligen Kollegen lässt Enger kein gutes Haar: Diesen warf er im „Stern“ vor, „neugeschäftsgeil“ zu sein und dieses mit „extremen Belohnungen“ an den Vertrieb befeuert zu haben. Geld, das aus den Beiträgen der Kunden gezahlt worden ist. Intern habe man sich dann damit gebrüstet, „dass man den kompletten Champagner-Vorrat eines Kreuzfahrtschiffes ausgetrunken zu haben“.

Eine prompte Replik kam gleich vom Branchenverband GDV. Dieser warf Enger vor, bewusst „vollkommen unbegründete Ängste“ schüren zu wollen, bloß um sein Buch an den Mann bringen zu wollen. Von einem Crash der Lebensversicherungen könne keine Rede sein. „Die deutschen Lebensversicherer können nicht nur heute, sondern auch in Zukunft alle Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden erfüllen. Und das selbst in Extremszenarien, die statistisch nur einmal in 200 Jahren auftreten“, ließ Dr. Peter Schwark, Mitglied der GDV-Geschäftsführung, verlauten und verwies auf die sogenannte Solvenzkapitalquote der Branche von 344 Prozent.

Der Aufforderung Engers „Raus aus den Policen“ entgegnete Schwark: „Damit offenbart Herr Enger, dass er seine kommerziellen Interessen über die Interessen der Kunden stellt. Lebensversicherungen sind nicht nur sicher, sondern bieten gerade im aktuellen Zinsumfeld eine attraktive Verzinsung. Mit einer Kündigung verzichten Kunden zudem nicht nur auf Rendite, sondern auch auf den Risikoschutz einer Lebensversicherung im Todesfall oder auch bei Berufsunfähigkeit des Versicherten.“

Hinweis: procontra sprach mit Sven Enger im Jahr 2013 über die Zukunft der Lebensversicherungsbranche. Was der damalige CEO von Standard Life Deutschland damals zu sagen hatte, lesen Sie hier.

Quelle: procontra-online.de

Verbraucherschützer fällen vernichtendes Riester-Urteil

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat Riester-Produkte untersucht und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis. Die Kosten seien in den meisten Fällen deutlich zu hoch.

Die Kosten für die Riester-Rente sind in den meisten Fällen zu hoch, was die Rendite gewaltig schmälert. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Die Experten analysierten insgesamt 18 Produkte verschiedener Anbieter mit Laufzeiten von zwölf, 20, 30 und 40 Jahren Laufzeit anhand der Produktinformationsblätter für Musterverträge. Dabei handelte es sich sowohl um klassische Rentenversicherungen wie auch um fondsgebundene Modelle.

Die Verbraucherschützer fanden heraus, dass die Effektivkosten, also die durch die Kosten des Produkts entstehende Wertminderung, in der Mehrheit der Fälle höher war als der Wert, der sich aus den Annahmen des Alterssicherungsberichts der Bundesregierung ergibt. “Im Extremfall sind die Kosten um das Fünffache höher”, heißt es in der VZBV-Analyse. Günstiger waren im Test je nach Laufzeit keines oder im besten Fall nur zwei der 18 Angebote.

Produkte erfüllen Erwartungen nicht
Von wenigen Ausnahmen abgesehen würden von den Anbietern Produkte angeboten, “die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen”, so die Verbraucherschützer. “Wir sind bei der Vielzahl der Produkte angesichts der Kosten weit davon entfernt, ausreichend Kapital für die private Absicherung neben der gesetzlichen aufzubauen“, kritisierte die Leiterin des VZBV-Finanzmarktteams, Dorothea Mohn, einem Bericht der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (FAZ) zufolge.

Das Bundesarbeitsministerium weist laut FAZ darauf hin, dass es sich im Alterssicherungsbericht um modellhafte Berechnungen handele und nicht um Prognosen. Es gehe darum, “das Spektrum künftiger Veränderungen, die letztlich bei jedem Einzelfall individuell verschieden sind, auf wesentliche Erkenntnisse zu verdichten.” (fp)

Quelle: fondsprofessionell.de

Das böse Erwachen beim Blick auf das Rentenkonto

Zwei von drei Bundesbürgern wissen nicht, wie hoch die Summe ihrer zu erwartenden Alterseinkünfte sind. Das ist ein Problem bei der Vermeidung von Altersarmut. Ein neues Rentenkonto-System soll helfen.

Die Wissenslücke ist riesengroß. Zwei von drei Bundesbürgern kennen ihre Rentenansprüche nicht, hat das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) ermittelt. Zwar verschickt die Deutsche Rentenversicherung seit 2002 jährlich Renteninformationen, in denen die bereits erworbenen sowie die künftig noch zu erwartenden Ansprüche dargestellt werden.

Doch die Mehrheit der Deutschen wird im Alter nicht nur von der staatlichen Rente leben, sondern noch von weiteren Einkünften, die aus einer betrieblichen Alterssicherung, einer Lebensversicherung oder einer Riesterrente stammen. Viele Erwerbstätige verfügen gleich über mehrere Zusatzabsicherungen. Doch nur die wenigsten haben einen Überblick über ihre insgesamt zu erwartenden Alterseinkünfte.

Der Ruf nach einem umfassenden Online-Rentenkonto, das jedem Bürger Transparenz über seine gesamten Ansprüche verschafft, wird daher lauter. Und tatsächlich stehen die Chancen gut, dass sich eine Jamaika-Koalition auf ein solches Projekt einigt. Zumal zwischen Union, FDP und Grünen Konsens herrscht, dass die zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge gestärkt werden soll.

Jeder Zweite befürchtet Altersarmut

Bei den Liberalen steht die Einführung eines „persönlichen Vorsorgekontos“ explizit im Programm. Auch die Union setzt auf Transparenz. „Ein Altersvorsorge-Informationssystem würde vielen Bürgern einen zusätzlichen Anstoß geben, sich um ergänzende Altersvorsorge zu kümmern“, sagt der Vorsitzende des Arbeitnehmergruppe der Unionsfraktion, Peter Weiß. Wer seine Gesamtansprüche kenne, habe später keine Ausrede, wenn er nicht genug vorsorge, sagt der Rentenexperte.

Quelle: Infografik Die Welt

Wie groß die Wissenslücke ist, machen Ergebnisse der Pilotstudie „Pensions Dashboard“ der Goethe Universität in Frankfurt und der Deutschen Renten Information e. V. deutlich. Dafür starteten die Wissenschaftler in Kooperation mit zwei Großbanken ein eigens von einem FinTec-Unternehmen entwickeltes Renteninformationssystem.

„Das Interesse der Bevölkerung an einem umfassenden Rentendurchblick ist groß“, sagt der Finanzwissenschaftler Andreas Hackethal von der Goethe Universität. Für das Projekt hatten rund 12.000 freiwillige Teilnehmer Fragen zu ihrer Altersvorsorge beantwortet. 70 Prozent von ihnen gaben am Anfang an, keinen Überblick über ihre Ansprüche zu haben. Fast jeder Zweite äußerte zugleich die Angst vor Altersarmut.

Um ein individuelles Rentenkonto erstellen zu können, benötigt die Plattform eine Vielzahl von Informationen, die nicht jeder schnell parat hat. Zwar informiert nicht nur die staatliche Rentenversicherung regelmäßig die Bürger. Auch die privaten Anbieter stellen ihren Kunden Berechnungen zur Verfügung. Doch gibt es keine einheitlichen Kriterien, etwa zur Renditeberechnung.

Diskussion über die Risiken

Für viele der Studienteilnehmer gab es ein böses Erwachen. Fast jeder Dritte fühlt sich schlechter für das Alter gewappnet, seitdem er den Stand seines Rentenkontos kennt. Zugleich aber waren auch 35 Prozent von dem Ergebnis positiv überrascht: Sie hatten die Höhe ihrer Anwartschaften unterschätzt. Die Hälfte der Teilnehmer gab an, auf Grundlage des Rentenkontos bei ihrer Altersvorsorge jetzt aktiv zu werden.

„Wenn die Bürger den Rentendurchblick haben, dann gibt das einen Impuls, sich eigenverantwortlich um die Alterssicherung zu kümmern“, sagt Hackethal. Sinnvoll wäre die Einrichtung einer neutralen Stelle, die dem Einzelnen einen unbürokratischen Zugriff auf sein Konto ermögliche.

Alle notwendigen Daten über die Ansprüche an staatlicher Rente sowie an zusätzlichen Alterseinkünften müssten hier zusammengeführt werden, ohne dass der Kunde selbst alle möglichen Informationen besorgen müsste. Entscheidend sei, dass der Datenschutz dabei gewahrt werde, unterstrich der Finanzexperte.

Niederlande und Schweden sorgen für Transparenz

Während hierzulande noch über die Vorteile und Risiken eines Online-Rentenkontos diskutiert wird, sind ändere Länder längst weiter. In Schweden können sich die Bürger seit 2004 unter MinPension.se über den Stand ihrer gesamten Altersvorsorge informieren.

Obwohl die Teilnahme freiwillig ist, hat sich schon mehr als jeder zweite Schwede im erwerbsfähigen Alter registrieren lassen. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) sind es vor allem die älteren Erwerbstätigen, die sich einen Überblick verschaffen. Am seltensten greifen die unter 30-Jährigen auf die Internetseite zu. Organisiert ist die schwedische Plattform als öffentlich-private Partnerschaft: ein Weg, den das DIA auch für Deutschland empfiehlt.

Quelle: Infografik Die Welt

Auch in den Niederlanden gibt es seit 2010 ein Portal, das eine individuelle Renteninformation bietet. In unserem Nachbarland ist neben der gesetzlichen Rente vor allem die betriebliche Altersvorsorge eine starke Säule. Viele Niederländer zahlen in verschiedene Pensionsfonds ein, wenn sie mehrfach den Job gewechselt haben.

Auch deshalb schien es der Regierung geboten, für Transparenz zu sorgen. Aus Gründen der Datensicherheit entschloss man sich jedoch, keine zentrale Datenbank aufzubauen, sondern die Informationen über die Ansprüche beim jeweiligen Anbieter gespeichert zu lassen.

Wenn ein Niederländer seine Rentenkontoinformation anfordert, werden die Daten bei den jeweiligen Anbietern abgerufen und dann zu einer umfassenden Rentenauskunft zusammengetragen. Auch für Deutschland präferieren die meisten Experten ein solches Verfahren und lehnen eine zentrale Datenspeicherung ab.

Quelle: Infografik Die Welt

 

Das Portal in den Niederlanden gibt nicht nur Auskunft über die geleisteten Einzahlungen und bereits vorhandenen Ansprüche, sondern stellt darüber hinaus auf Nachfrage auch Berechnungen an, wie sich die zu erwartende Rentenhöhe verändert, wenn man früher oder später in den Ruhestand geht.

Freiwillig privat vorsorgen und länger arbeiten

Mehr Transparenz könnte hierzulande helfen, die aufgeheizte Debatte über Altersarmut zu versachlichen. Wie der vom Bundesarbeitsministerium vorgelegte Alterssicherungsbericht 2016 zeigt, macht die gesetzliche Rente nur 63 Prozent der Bruttoeinkommen der heutigen Senioren aus. Acht Prozent stammen aus privater Vorsorge. Dieser Betrag wird künftig infolge der Riesterförderung steigen.

Auch die Betriebsrenten, die heute ebenfalls acht Prozent der Alterseinkommen ausmachen, sollen nach dem Willen der Politik weiter ausgebaut werden. Immerhin haben schon jetzt 70 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine betriebliche Alterssicherung oder einen Riestervertrag. Jeder fünfte Arbeitnehmer hat sogar beides. Ob dabei genug zusammenkommt, um im Alter den Lebensstandard halten zu können, wissen jedoch die wenigsten.

„In der neuen Legislaturperiode kann und muss der Durchbruch für eine säulenübergreifende Renteninformation erzielt werden, die die Nebelfahrt der Bürger bei der Einschätzung ihrer Ansprüche im Alter endlich beendet“, drängt der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger.

In Skandinavien sei durch die seit Jahren funktionierenden Portale zu beobachten, dass die Bürger mehr Eigenvorsorge leisteten und bewusst länger arbeiteten. „Gerade am Ende eines Arbeitslebens ist die Rendite für wenige Jahre längeres Arbeiten besser als jegliche übliche Anlageform zur Altersvorsorge“, sagt Steiger.

Gut möglich also, dass die Politik bei dem Rentenkonto weniger an die Transparenz, sondern mehr an das politisch gewünschte Ergebnis denkt: Dass sich die Bürger in Zukunft – ganz freiwillig – auf den Weg zur Rente mit 70 begeben.

 

Quelle: welt.de

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Vorsorgeatlas: Jungen Leuten droht Rentenlücke

Das deutsche Vorsorgesystem wird künftig funktionieren, die heute 50- bis 65-Jährigen brauchen sich keine Gedanken um ihre Rente zu machen. Der neue Vorsorgeatlas Deutschland von Union Investment zeichnet ein positives Bild – aber nur auf den ersten Blick.

Die Ergebnisse stimmen überraschend optimistisch: Die Bundesbürger müssen sich keine Sorgen um ihre Rente machen. Das Vorsorgesystem über die drei bekannten Säulen wird auch in Zukunft funktionieren. Die gesetzliche Rente ist und bleibt der Grundpfeiler der Altersvorsorge – und zwar über das Jahr 2030 hinaus. Zu diesen Resultaten kommt der neue “Vorsorgeatlas Deutschland”. Die umfangreiche Analyse hat das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment erstellt.

Dabei haben die Experten unter Leitung von Professor Bernd Raffelhüschen nicht die aktuellen Altersbezüge betrachtet, sondern ausschließlich die Renten, die heute zwischen 20 und 65 Jahre alte Personen zu erwarten haben. Neben den klassischen Alterssicherungssystemen der ersten Schicht (Gesetzliche Rentenversicherung, Beamtenversorgung, berufsständische Versorgung) erfasst der Atlas auch die Vorsorgewege der zweiten Schicht (Riester-Rente, betriebliche Altersversorgung, Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes). Hinzu kommt die dritte Schicht, also das Geld- und Immobilienvermögen der Haushalte.

Schattenseiten bei genauerer Betrachtung

Mögen die Ergebnisse auf den ersten Blick durchaus positiv erscheinen, zeigen sich bei genauerem Hinsehen allerdings auch Schattenseiten. Denn: Im Durchschnitt über alle Einkommens- und Altersklassen hinweg erhalten die rund 34 Millionen Versicherten bei Renteneintritt monatlich 1.070 Euro. Damit können sie zwar rund 48 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen. Um den bisherigen Lebensstandard im Alter annähernd halten zu können, sind jedoch mindestens 60 Prozent nötig.

In der Tat brauchen sich die heute 50- bis 65-Jährigen um ihre Rente keine großen Gedanken zu machen. Sie erreichen der Studie zufolge allein mit der gesetzlichen Rente ein Niveau von 64,1 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens. Sorgen sie zusätzlich privat sowie staatlich gefördert vor – was in dieser Altersgruppe die Regel ist – so können sie die Ersatzquote noch einmal deutlich steigern. Möglich sind bis zu 83 Prozent.

Dringend zusätzlich vorsorgen

Bei den heute 20- bis 34-Jährigen hingegen sieht es weniger erfreulich aus. Die jungen Leute bringen es mit der gesetzlichen Rente später einmal auf lediglich 38,6 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens. Daher werden sie pro Monat etwa 800 Euro zusätzlich benötigen. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in Sachen Altersvorsorge selbst aktiv zu werden.

Auch erhebliche regionale Unterschiede lassen sich erkennen. Die höchsten Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung haben dem Atlas zufolge Rentner in Oberbayern, Stuttgart, Tübingen, Karlsruhe, Darmstadt, Trier, dem Bezirk Rheinhessen-Pfalz, in Braunschweig und in Schleswig-Holstein. Mehr als 1.095 Euro bekommen Erwerbstätige hier im Durchschnitt beim Renteneintritt. In Oberbayern liegen die Renten durchschnittlich 1169 Euro am höchsten.

Weniger als 988 Euro monatlich

Deutlich niedriger als im Bundesdurchschnitt von monatlich 1.070 Euro im Monat fallen die Rentenzahlungen in den neuen Bundesländern aus, mit Ausnahme von Brandenburg und Berlin. Hier haben Erwerbstätige später einmal einen gesetzlichen Rentenanspruch von 988 Euro pro Monat. (am)

Quelle: fondsprofessionell.de