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Das Zinsgrauen wird noch 20 Jahre währen

Nullzinsen herrschen praktisch schon fünf Jahre lang, und diese Phase könnte noch Jahrzehnte andauern. Sparern droht ein dramatischer Wertverlust – und manche meinen, dass sie dazu selbst beigetragen haben. Doch es gibt noch einen Ausweg.

Realismus erfasst allmählich die deutschen Sparer. Bei einer repräsentativen Umfrage von Union Investment erwarteten zu Beginn des Jahres noch 25 Prozent steigende Zinsen. Inzwischen ist dieser Wert auf neun Prozent gefallen. Dagegen rechnet nun jeder Fünfte sogar mit weiter fallenden Zinsen, das sind mehr als doppelt so viele wie zuletzt.

Und das ist nur eine kurz- bis mittelfristige Betrachtung. Das wahre Ausmaß des Zinsdebakels ist noch weitaus größer. Inzwischen gehen immer mehr Experten von vielen Jahren, sogar Jahrzehnten ohne Zinsen aus.

Über die Frage, wer daran schuld ist, wird viel gestritten. Die Notenbanken? Die Politik? Vielleicht die Bürger selbst? Sicher ist jedoch: Bezahlen müssen das jene, die ihr Geld nach wie vor auf Tagesgeldkonten belassen.

Seit dreieinhalb Jahren liegt der Leitzins in der Euro-Zone nunmehr bei null, davor stand er anderthalb Jahre bei 0,05 Prozent – praktisch herrschen also bereits ein halbes Jahrzehnt lang Nullzinsen.

Für Banken gilt inzwischen sogar ein Einlagenzinssatz von minus 0,5 Prozent, den sie berappen müssen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken wollen. Und immer mehr Institute denken derzeit darüber nach, diesen Minuszins an die Sparer weiterzugeben.

Fast noch schlimmer ist, dass sich daran auch auf viele Jahre hinaus nichts ändern wird. Joachim Fels, ökonomischer Berater bei Pimco, dem größten Anleihemanager der Welt, hält es für ziemlich sicher, „dass negative Zinsen und Anleihekäufe noch lange bestehen bleiben“.

Der Vermögensverwalter Bert Flossbach sagt noch kategorischer: „Eine Zinswende zu deutlich höheren Zinsen wird es nicht geben.“ Und Mark Burgess, stellvertretender Chefanlagestratege bei der Investmentgesellschaft Columbia Threadneedle, sieht sogar Jahrzehnte niedriger Zinsen vor uns.

„Wir gehen davon aus, dass der Euro-Zone eine lange Niedriginflationsphase bevorsteht, die von geringen Wachstumsraten begleitet wird, was einen nennenswerten Anstieg der Zinsen in den nächsten zehn bis 20 Jahren verhindert“, sagt Burgess.

Schuld ist auch die hohe Sparneigung

Daran sind natürlich die Zentralbanken schuld, welche die Zinsen auf dieses Niveau gedrückt haben. Dennoch hält man sie beispielsweise bei Pimco eher für die Opfer als die Täter. Sie reagierten nur auf zwei langfristige Triebkräfte: die demografische Entwicklung und die Technologie.

Die zunehmende Lebenserwartung erhöhe die Sparneigung, gleichzeitig brauchten moderne Technologiekonzerne nicht mehr so viel Kapital wie Industriebetriebe in früheren Zeiten – das Verhältnis von Ersparnissen zu Krediten sei also gekippt, diese „Ersparnisflut“ führe dazu, dass den Regeln von Angebot und Nachfrage folgend die Zinsen immer tiefer sinken.

In gewissem Sinne wären die Bürger also selbst schuld an den niedrigen Zinsen, weil sie zu viel sparen und zu wenig Kredite aufnehmen.

Dieser Gedanke, den auch schon der ehemalige Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, äußerte, stößt jedoch vor allem bei deutschen Ökonomen auf Kritik. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, erkennt zwar beispielsweise an, dass der natürliche Zins, der auf Angebot und Nachfrage basiert, gefallen sein mag. „Der Rückgang des Realzinses ist aber mit verursacht durch Zentralbanken wie die EZB, die darauf mit einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik reagiert.“

Das Entscheidende ist letztlich aber auch nicht, wer schuld ist. Denn selbst Krämer stellt ganz realistisch fest: „Der EZB-Zins dürfte viele Jahre nicht steigen.“ Für Sparer kann das möglicherweise noch zwei Jahrzehnte währende Zinsgrauen einen dramatischen Wertverlust bedeuten.

Reinhard Panse, Chefanlagestratege beim Vermögensverwalter HQ Trust, rechnet beispielsweise für Anlagen in deutsche Staatsanleihen über die nächsten zehn Jahre mit einem jährlichen Verlust von 2,2 Prozent, nach Abzug von Inflation und Steuern. „Das ist noch der Best Case, da die Probleme der Euro-Zone nach wie vor nicht geklärt sind.“ Solche Anleihen sind vor allem in Lebensversicherungen enthalten.

Quelle: Infografik WELT

Aber auch Sparer, die ihr Geld einfach unverzinst auf dem Konto lassen oder das Geld unter dem Kopfkissen aufbewahren, verlieren durch die Inflation Jahr für Jahr Geld. Im September betrug die Preissteigerungsrate 1,2 Prozent.

Bliebe es dabei und hielte die Nullzinsphase wie befürchtet 20 Jahre an, verlöre Bargeld in dieser Zeit mehr als 21 Prozent an Wert. Stiege die Inflation auf zwei Prozent, verlöre Cash sogar ein Drittel seines Wertes.

Deutschland hätte Spielraum für höhere Ausgaben

Gibt es einen Ausweg aus dieser Lage? Eine Möglichkeit wäre natürlich, dass die Europäische Zentralbank ihre Politik ändert. Immerhin gibt es zunehmend Stimmen, die fürchten, dass die anhaltende Nullzinspolitik nicht mehr wirkt.

Der Ökonom Markus Brunnermeier hat in einer viel beachteten Untersuchung gezeigt, dass sich die Wirkungen dieser Politik sogar irgendwann umkehren, wenn sie zu lange andauert. Für einen Politikschwenk gibt es bei der EZB allerdings keinerlei Anzeichen. Im Gegenteil: Es scheint klar, dass die Nachfolgerin des scheidenden EZB-Chefs Mario Draghi, Christine Lagarde, dessen Politik konsequent fortsetzen wird.

Quelle: Infografik WELT

 

Draghi wiederum hat bei seiner letzten Pressekonferenz recht klar skizziert, worin er einen Ausweg sähe. „Es ist höchste Zeit, dass die Fiskalpolitik Verantwortung übernimmt“, sagte er und betonte, dass man sich darüber im Rat der EZB absolut einig sei – im Gegensatz beispielsweise zu den Zinsentscheidungen.

Und er zielte dabei vor allem auf Deutschland, denn Länder mit Handlungsspielraum im Haushalt seien gefordert, „wirksam und rechtzeitig“ zu handeln. Deutschland, das seit Jahren Haushaltsüberschüsse verzeichnet, hat diesen Spielraum, nutzt ihn aber nicht für höhere Staatsausgaben.

Genau dies würde jedoch helfen, das Zinsniveau mittelfristig zu heben, ist Draghi offenbar überzeugt, denn er verwies explizit auf „andere Regionen“, wo eine andere Fiskalpolitik zu höheren Zinsen geführt habe. Gemeint sind die USA, wo der Staat hohe Haushaltsdefizite macht – in diesem Jahr sind es mehr als fünf Prozent der Wirtschaftsleistung – , die Zinsen aber auch deutlich höher sind als in der Euro-Zone.

Quelle: Infografik WELT

Doch die Chancen, dass Deutschland sich von der schwarzen Null verabschiedet, scheinen derzeit sehr gering. Und damit ist auch die Chance, dass sich an der EZB-Politik etwas ändert, gleich null. Sie wird weiter mit Minuszinsen und Anleihekäufen agieren – Pimco-Berater Joachim Fels spricht bereits von „Anleihekäufen auf ewig“.

Sparer können das beklagen, das hilft ihnen jedoch nicht weiter. Stattdessen sollten sie den Realitäten ins Auge sehen und reagieren. Mark Haefele, Chefanlagestratege bei der Vermögensverwaltung der UBS, verweist dabei auf das Potenzial von Aktien.

Zwar schneiden diese historisch gesehen in 43 Prozent der Handelswochen schlechter ab als Cash – und genau das ist es auch, was die meisten Sparer abschreckt. „Aber historisch betrachtet ist diese Gefahr auf Sicht von 20 Jahren bei null.“ Das ist genau der Zeitraum, um den es geht, jene zwei Dekaden mit Nullzinsen, die noch vor uns stehen.

Allerdings ist das bei den Sparern nach wie vor nicht angekommen. Der Umfrage von Union Investment zufolge haben derzeit 46 Prozent der Befragten keine Lust, verschiedene Anlageformen miteinander zu vergleichen, und weitere 41 Prozent halten es für sinnvoll, erst einmal weiter abzuwarten. Das kann allerdings teuer werden.

Quelle: welt.de

 

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Nachgefragt: Sind wir an den Minuszinsen etwa selbst schuld?

Nullzinsen herrschen praktisch schon fünf Jahre lang, und diese Phase könnte noch Jahrzehnte andauern. Sparern droht ein dramatischer Wertverlust – und manche meinen, dass sie dazu selbst beigetragen haben. Doch es gibt noch einen Ausweg.

Realismus erfasst allmählich die deutschen Sparer. Bei einer repräsentativen Umfrage von Union Investment erwarteten zu Beginn des Jahres noch 25 Prozent steigende Zinsen. Inzwischen ist dieser Wert auf neun Prozent gefallen. Dagegen rechnet nun jeder Fünfte sogar mit weiter fallenden Zinsen, das sind mehr als doppelt so viele wie zuletzt.

Und das ist nur eine kurz- bis mittelfristige Betrachtung. Das wahre Ausmaß des Zinsdebakels ist noch weitaus größer. Inzwischen gehen immer mehr Experten von vielen Jahren, sogar Jahrzehnten ohne Zinsen aus.

Über die Frage, wer daran schuld ist, wird viel gestritten. Die Notenbanken? Die Politik? Vielleicht die Bürger selbst? Sicher ist jedoch: Bezahlen müssen das jene, die ihr Geld nach wie vor auf Tagesgeldkonten belassen.

Seit dreieinhalb Jahren liegt der Leitzins in der Euro-Zone nunmehr bei null, davor stand er anderthalb Jahre bei 0,05 Prozent – praktisch herrschen also bereits ein halbes Jahrzehnt lang Nullzinsen.

Für Banken gilt inzwischen sogar ein Einlagenzinssatz von minus 0,5 Prozent, den sie berappen müssen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken wollen. Und immer mehr Institute denken derzeit darüber nach, diesen Minuszins an die Sparer weiterzugeben.

Fast noch schlimmer ist, dass sich daran auch auf viele Jahre hinaus nichts ändern wird. Joachim Fels, ökonomischer Berater bei Pimco, dem größten Anleihemanager der Welt, hält es für ziemlich sicher, „dass negative Zinsen und Anleihekäufe noch lange bestehen bleiben“.

Der Vermögensverwalter Bert Flossbach sagt noch kategorischer: „Eine Zinswende zu deutlich höheren Zinsen wird es nicht geben.“ Und Mark Burgess, stellvertretender Chefanlagestratege bei der Investmentgesellschaft Columbia Threadneedle, sieht sogar Jahrzehnte niedriger Zinsen vor uns.

„Wir gehen davon aus, dass der Euro-Zone eine lange Niedriginflationsphase bevorsteht, die von geringen Wachstumsraten begleitet wird, was einen nennenswerten Anstieg der Zinsen in den nächsten zehn bis 20 Jahren verhindert“, sagt Burgess.

Schuld ist auch die hohe Sparneigung

Daran sind natürlich die Zentralbanken schuld, welche die Zinsen auf dieses Niveau gedrückt haben. Dennoch hält man sie beispielsweise bei Pimco eher für die Opfer als die Täter. Sie reagierten nur auf zwei langfristige Triebkräfte: die demografische Entwicklung und die Technologie.

Die zunehmende Lebenserwartung erhöhe die Sparneigung, gleichzeitig brauchten moderne Technologiekonzerne nicht mehr so viel Kapital wie Industriebetriebe in früheren Zeiten – das Verhältnis von Ersparnissen zu Krediten sei also gekippt, diese „Ersparnisflut“ führe dazu, dass den Regeln von Angebot und Nachfrage folgend die Zinsen immer tiefer sinken.

In gewissem Sinne wären die Bürger also selbst schuld an den niedrigen Zinsen, weil sie zu viel sparen und zu wenig Kredite aufnehmen.

Dieser Gedanke, den auch schon der ehemalige Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, äußerte, stößt jedoch vor allem bei deutschen Ökonomen auf Kritik. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, erkennt zwar beispielsweise an, dass der natürliche Zins, der auf Angebot und Nachfrage basiert, gefallen sein mag. „Der Rückgang des Realzinses ist aber mit verursacht durch Zentralbanken wie die EZB, die darauf mit einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik reagiert.“

Das Entscheidende ist letztlich aber auch nicht, wer schuld ist. Denn selbst Krämer stellt ganz realistisch fest: „Der EZB-Zins dürfte viele Jahre nicht steigen.“ Für Sparer kann das möglicherweise noch zwei Jahrzehnte währende Zinsgrauen einen dramatischen Wertverlust bedeuten.

Reinhard Panse, Chefanlagestratege beim Vermögensverwalter HQ Trust, rechnet beispielsweise für Anlagen in deutsche Staatsanleihen über die nächsten zehn Jahre mit einem jährlichen Verlust von 2,2 Prozent, nach Abzug von Inflation und Steuern. „Das ist noch der Best Case, da die Probleme der Euro-Zone nach wie vor nicht geklärt sind.“ Solche Anleihen sind vor allem in Lebensversicherungen enthalten.

Quelle: Infografik WELT

Draghi wiederum hat bei seiner letzten Pressekonferenz recht klar skizziert, worin er einen Ausweg sähe. „Es ist höchste Zeit, dass die Fiskalpolitik Verantwortung übernimmt“, sagte er und betonte, dass man sich darüber im Rat der EZB absolut einig sei – im Gegensatz beispielsweise zu den Zinsentscheidungen.

Und er zielte dabei vor allem auf Deutschland, denn Länder mit Handlungsspielraum im Haushalt seien gefordert, „wirksam und rechtzeitig“ zu handeln. Deutschland, das seit Jahren Haushaltsüberschüsse verzeichnet, hat diesen Spielraum, nutzt ihn aber nicht für höhere Staatsausgaben.

Genau dies würde jedoch helfen, das Zinsniveau mittelfristig zu heben, ist Draghi offenbar überzeugt, denn er verwies explizit auf „andere Regionen“, wo eine andere Fiskalpolitik zu höheren Zinsen geführt habe. Gemeint sind die USA, wo der Staat hohe Haushaltsdefizite macht – in diesem Jahr sind es mehr als fünf Prozent der Wirtschaftsleistung – , die Zinsen aber auch deutlich höher sind als in der Euro-Zone.

Quelle: Infografik WELT

Doch die Chancen, dass Deutschland sich von der schwarzen Null verabschiedet, scheinen derzeit sehr gering. Und damit ist auch die Chance, dass sich an der EZB-Politik etwas ändert, gleich null. Sie wird weiter mit Minuszinsen und Anleihekäufen agieren – Pimco-Berater Joachim Fels spricht bereits von „Anleihekäufen auf ewig“.

Sparer können das beklagen, das hilft ihnen jedoch nicht weiter. Stattdessen sollten sie den Realitäten ins Auge sehen und reagieren. Mark Haefele, Chefanlagestratege bei der Vermögensverwaltung der UBS, verweist dabei auf das Potenzial von Aktien.

Zwar schneiden diese historisch gesehen in 43 Prozent der Handelswochen schlechter ab als Cash – und genau das ist es auch, was die meisten Sparer abschreckt. „Aber historisch betrachtet ist diese Gefahr auf Sicht von 20 Jahren bei null.“ Das ist genau der Zeitraum, um den es geht, jene zwei Dekaden mit Nullzinsen, die noch vor uns stehen.

Allerdings ist das bei den Sparern nach wie vor nicht angekommen. Der Umfrage von Union Investment zufolge haben derzeit 46 Prozent der Befragten keine Lust, verschiedene Anlageformen miteinander zu vergleichen, und weitere 41 Prozent halten es für sinnvoll, erst einmal weiter abzuwarten. Das kann allerdings teuer werden.

Quelle: welt.de

 

Wie gehen Sie mit den Nullzinsen um?

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Wenn Sparen immer teurer wird

Wie viel Strafzinsen halten wir noch aus, bevor Sparer die Schalter stürmen?

Bei minus 0,5 Prozent liegen inzwischen die Strafzinsen für Banken in der Eurozone. Und die EZB schließt nicht aus, dass sie noch tiefer fallen könnten. Doch wie tief können sie noch fallen, bevor die Sparer wirklich reagieren? Und was wären dann die Möglichkeiten?

Ein Gedankenexperiment.

Der Leitzins in der Eurozone liegt unverändert bei 0 Prozent, doch für Banken ist die Welt seit vergangener Woche etwas schwerer geworden. Sie müssen nun 0,5 statt wie bisher 0,4 Prozent Strafzinsen an die Zentralbank für das Geld zahlen, was sie dort parken.

Der Normalbürger leidet darunter einerseits, weil es kaum bis keine Zinsen mehr auf klassische Sparprodukte wie Tagesgeld und Sparbuch gibt. Andererseits profitiert er von niedrigen Kreditzinsen. Schließlich ist ein günstig ausgegebener Kredit für die Banken immer noch lukrativer, als der EZB Strafzinsen zu zahlen.

Doch ihre Ziele, etwa eine Kerninflation von zwei Prozent im Euroraum, hat die EZB mit den Niedrigzinsen bisher nicht erreicht. Das nährt Befürchtungen, es könne bald noch viel schlimmer kommen. Auch wenn EZB-Chef Mario Draghi bisher keine Andeutungen gemacht hat, die Leitzinsen erstmals in der Euro-Geschichte in den negativen Bereich zu senken, wäre das durchaus eine Möglichkeit.

Wie tief können die Zinsen noch sinken?

Die US-Großbank JP Morgan hatte schon 2016, als der Leitzins auf 0 Prozent fiel, einmal durchgerechnet, wie weit die wichtigsten Zentralbanken der Welt die Zinsen theoretisch senken könnten, bevor es zu massiven Problemen im jeweiligen Wirtschaftskreislauf kommt.

In den USA sehen die Analysten diese Gefahr schon bei minus 1,3 Prozent. Großbritannien würde demnach minus 2,5 Prozent vertragen – allerdings stammt diese Zahl noch aus der Vor-Brexit-Zeit – und die Eurozone gar minus 4,5 Prozent.

Was passiert, wenn die Zinsen so niedrig fallen?

Je tiefer die Leitzinsen fallen, desto teurer wird es für Banken, ihr Geld bei der Zentralbank zu parken. Sie müssen stattdessen versuchen, es auszugeben. Das führt erst einmal dazu, dass Kredite immer günstiger werden.

Schon heute bieten einige Online-Banken erste Kredite mit negativen Zinssätzen, bei denen Sie sich heute etwa 1000 Euro leihen und ein Jahr später nur 994 Euro zurückzahlen müssen.

Es ist allerdings auf den ersten Blick ersichtlich, dass dies für Banken auf Dauer kein profitables Geschäft mehr ist. Ab einem bestimmten Punkt müssen sie negative Zinsen an ihre Kunden weitergeben. Wer der Bank dann Geld leiht, muss dafür zahlen, statt wie bisher belohnt zu werden.

Wie können Bürger dem entgehen?

In der Theorie klingen Negativzinsen gut. Wenn Geld zu sparen zu teuer wird, dann geben die Menschen das Geld eben aus und kurbeln damit die Wirtschaft an. Doch die jüngste Vergangenheit zeigt, dass dies in der Praxis anders ist.

Bisher sparen besonders die Deutschen fleißig weiter, obwohl es dafür kaum noch Zinsen gibt. Das Sparvermögen in unserem Land stieg 2018 auf 6,2 Billionen Euro – ein neuer Rekordstand. Der Großteil davon ist in Sparbücher, Tagesgeld und Lebensversicherungen angelegt, allesamt Produkte, für die es kaum Zinsen gibt.

Selbst, wenn die EZB den Druck in Form von Negativzinsen also erhöht, ist fraglich, ob die Bürger dann mehr Geld ausgeben oder es schlicht abheben und lieber zu Nullzinsen unter der Matratze horten.

Sollten Sie Ihr Erspartes daheim horten wollen, bis die Zinsen wieder steigen, könnten Sie ein weiteres Problem bekommen: Einzahlungen von mehr als 10.000 Euro fallen auch bei Privatpersonen unter das Geldwäschegesetz. Sie müssen dann der Bank und damit indirekt auch dem Finanzamt zunächst nachweisen, dass dieses Geld nicht aus illegalen Quellen stammt – was im Zweifel mit einem Auszahlungsbeleg einfach zu erledigen sein sollte.

Wie soll ich denn zehntausende Euro zu Hause sicher lagern?

„Unter der Matratze“ ist natürlich nur eine Metapher. Um Ihr Geld sicher physisch einzulagern, bräuchten Sie am besten einen Safe. Den können Sie sich selbst daheim hinstellen oder sich ein Schließfach bei einer Bank mieten.

Ironischerweise würden Sie dann aber wieder eine Bank dafür bezahlen, Ihr Geld aufzubewahren. Die Kosten dafür liegen bei mindestens 20 Euro im Jahr. Rein rechnerisch entspräche das bei 10.000 Euro also einem Negativzins von mindestens 0,2 Prozent. Allerdings sind Schließfächer bei Banken begrenzt. In Großstädten ist oft kein Platz mehr frei.

Es gibt ein weiteres Problem: Der Inhalt eines Banktresors oder Schließfaches wird vom Anbieter in der Regel nicht versichert. Das bedeutet, Sie müssten selbst eine Versicherung abschließen, die Ihnen Schäden durch Raub oder andere Unglücksfälle ersetzt. Das erhöht allerdings nur die Kosten. Zudem sind die Schadenssummen je nach Versicherung begrenzt.

Kann die EZB verhindern, dass ich mein Geld einfach abhebe?

Um zu verhindern, dass Sie Ihr Geld abheben, geben Banken Negativzinsen bisher nur an die Kunden weiter, die ihr Erspartes eben nicht unters Kopfkissen legen können. Das sind erstens Privatkunden mit sehr hohen Einlagen jenseits der 100.000 Euro – irgendwann wird das physische Aufbewahren von so viel Geld einfach unpraktisch – und zweitens Firmen, die Geld auf der Bank brauchen, um davon etwa Gehälter und Investitionen zu bezahlen. Sie besitzen meist auch zu viel, um es irgendwo in einem Safe einzulagern.

Anders sieht es bei der großen Masse der Kleinsparer aus. Einen plötzlichen Ansturm derer auf die Banken würden die Institute nicht überleben: Derzeit sind rund 8,5 Billionen Euro in der Eurozone im Umlauf. Die Spareinlagen, die Bürger kurzfristig abheben könnten, liegen aber bei mehr als 12 Billionen Euro. Schlimmstenfalls müssten Staaten einspringen, die Einlagen bis 100.000 Euro garantieren. Die Banken wären danach aber trotzdem bankrott.

Damit Sie bei starken Negativzinsen nicht massenhaft Geld von der Bank abheben, müsste die EZB die Bargeldmenge verkleinern oder im schlimmsten Fall das Bargeld komplett abschaffen. Dann könnte sich keiner mehr den Strafzinsen entziehen.

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Wird die EZB so weit gehen?

Höchstwahrscheinlich nicht. Bisher hat die EZB keinen Versuch unternommen, die Bargeldmenge künstlich zu begrenzen. Im Gegenteil, sie hat sich in den vergangenen zehn Jahren sogar mehr als verdoppelt. Daran hat auch die Abschaffung des 500-Euro-Scheins nichts geändert.

Die Zentralbank dürfte sich auch bewusst sein, dass dies schwere politische Tumulte auslösen würde. Denn die Bargeldmenge erhöht sich nur deswegen so stark, weil Scheine und Münzen von Bürgern so stark nachgefragt werden. Die EZB druckt und presst immer nur so viel, wie gerade benötigt wird.

Das heißt aber nicht, dass die Zentralbank den Druck auf Firmen und Sparer nicht noch weiter erhöhen könnte. Bisher geht die EZB noch davon aus, dass die niedrigen Zinsen unter dem Strich positive Effekte für die Eurozone haben. Erst, wenn sich das ändert, wird die Bank die Zinsen wieder anheben – wie es zum Beispiel vergangenes Jahr in den USA geschehen ist.

Hintergrund: Das Sparverhalten und das Vermögen der Deutschen

Laut Global Wealth Report der Allianz ist das Geldvermögen der Deutschen im vergangenen Jahr vor allem dank steigender Löhne und Beschäftigungszahlen gestiegen. Die Netto-Geldvermögen pro Kopf legten 2018 um 1,6 Prozent auf 52.860 Euro zu. Damit rangiert die Bundesrepublik in der Liste der 20 reichsten Länder unverändert auf dem 18. Platz. Auf Platz eins der Liste stehen die USA mit 184.410 Euro pro Kopf, gefolgt von der Schweiz (173.840 Euro) und Singapur (100.370 Euro). Die Niederlande kommen hinter Taiwan auf dem fünften Platz mit 97.345 Euro, Schweden landet hinter Japan mit einem Netto-Geldvermögen von 92.320 Euro pro Kopf auf Rang sieben. Es folgen Belgien, Neuseeland, Dänemark, Kanada, Großbritannien, Israel, Australien, Frankreich, Österreich und einen Platz vor Deutschland Italien.

Trotz der der herrschenden Zinsflaute bleiben die Deutschen allerdings dem Sparbuch treu: 2018 wuchsen die Bankeinlagen deutscher Sparer um sechs Prozent und damit zwei Prozentpunkte stärker als in ganz Westeuropa (plus 4,0 Prozent) – trotz immer noch nicht existenter Zinsen. Allerdings scheint ein Wandel einzusetzen: Zwar stieg der Anteil der Bankeinlagen an den frischen Spargeldern auf 57 Prozent. Im übrigen Westeuropa lag der Wert aber bei 68 Prozent. Die deutschen Sparer investierten laut der Angaben ein Fünftel ihrer Anlagegelder in Aktien und Fonds, die übrigen Haushalte verkauften in der Summe Wertpapiere.

Quelle: focus.de

 

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EZB zieht alle Register: Höhere Strafzinsen und Anleihenkäufe

Die Misere für Sparer geht weiter: Die EZB stemmt sich gegen die Konjunkturschwäche und hebt für Banken die Strafzinsen an. Der Leitzins bleibt unverändert bei 0,0 Prozent.

Europas Währungshüter stemmen sich mit allen Mitteln gegen die Konjunkturschwäche: Banken müssen künftig noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt.

Zentralbank verschärft ultralockere Geldpolitik weiter

Damit verschärft die Zentralbank zum Ende der Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi ihre ultralockere Geldpolitik nochmals. Die achtjährige Amtszeit des Italieners endet am 31. Oktober 2019. Der Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent liegt, bleibt unverändert auf diesem Niveau.

Dass die Notenbank erneut nachlegen würde, war erwartet worden. Angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung und der Schwäche des Welthandels seien “signifikante geldpolitische Impulse” notwendig, hatte Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates vor sieben Wochen gesagt.

Bisher mussten Geschäftsbanken 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Notenbank parken – eine Milliardenbelastung für die Finanzbranche im Euroraum. Dieser negative Einlagensatz wird nun auf minus 0,5 Prozent verschärft.

Mit dem Strafzins wollen die Währungshüter die Institute dazu bringen, mehr Gelder in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher auszureichen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das soll auch den Preisauftrieb verstärken. Um die Banken etwas zu entlasten, führt die EZB einen Staffelzins für bestimmte Freibeträge ein.

EZB strebt Teuerungsrate von unter 2,0 Prozent an

Mittelfristig strebt die EZB für den Euroraum eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben – in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

Das Zwei-Prozent-Ziel der EZB ist jedoch in weite Ferne gerückt: Im August verharrte die Inflation in den 19 Ländern mit der Gemeinschaftswährung bei 1,0 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren.

Mit einer Neuauflage von Wertpapierkäufen will die EZB Konjunktur und Inflation zusätzlich auf die Sprünge helfen. Ab 1. November sollen monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen gesteckt werden. Ein genaues Ende der Käufe legte der EZB-Rat zunächst nicht fest.

Ende Dezember hatte die EZB ihr gewaltiges Kaufprogramm von Staats- und Unternehmensanleihen vorerst beendet. Seit Januar fließt kein frisches EZB-Geld mehr in diesem Rahmen, Gelder aus auslaufenden Wertpapieren werden jedoch reinvestiert. Von März 2015 bis Ende 2018 steckte die EZB rund 2,6 Billionen Euro in Anleihen.

Der Kauf von Staatsanleihen hilft den Eurostaaten, sich günstiger frisches Geld zu besorgen. Denn wenn die EZB große Bestände aufkauft, müssen sie für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten. Zugleich pumpt die Notenbank über Wertpapierkäufe viel Geld in den Markt. Das soll der Inflation auf die Sprünge helfen.

 

Keine Änderung der EZB-Politik in Sicht

An der expansiven Ausrichtung der Geldpolitik wird sich aller Voraussicht nach so schnell nichts ändern: Draghis designierte Nachfolgerin an der EZB-Spitze, die Französin Christine Lagarde, hat bereits deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik für absehbare Zeit für nötig hält. Die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) sagte aber auch: “Wir müssen die negativen Folgen und Nebeneffekte im Blick behalten.”

Sparer müssen sich auf jeden Fall weiterhin gedulden, ehe es wieder höhere Sparzinsen gibt. Womöglich geben Banken zudem die Kosten für die EZB-Strafzinsen künftig an einen größeren Kundenkreis weiter. (mgb/dpa)

 

Quelle: gmx.net

 

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